Die Verbindung zwischen Shindo Yoshin Ryu und Wado RyuWado und TSYR Lehrgang mit Koichi Shimura (Japan) und Toby Threadgill (USA)am 21. und 22. Februar 2026 in Berlin
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In diesem Jahr feierten wir ein Jubiläum: Unser Wado und TSYR Lehrgang besteht seit zwanzig Jahren! Geleitet wurde er am 21., 22. Februar 2026 in Berlin von Toby Threadgill (USA), Kaisho und Menkyo Kaiden Takamura Ha Shindo Yoshin Ryu, und Koichi Shimura (Japan), 8. Dan JKF Wado-Kai und JKF Wado-Kai 1st Instructor. Die internationale Bedeutung dieses tradierten Lehrgangs verdeutlichen auch die insgesamt 140 Wado Karateka und TSYR-Praktizierenden aus 14 Nationen: Belgien, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien und den USA.
Die historisch gewachsene Verbindung zwischen Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu
Shindo Yoshin Ryu ist eine Koryu-Schule, die 1864 von Matsuoka Katsunosuke gegründet wurde. Eine autorisierte Nebenlinie, die Ohbata/Takamura Linie, wird heute als Takamura Ha Shindo Yoshin Ryu (TSYR) von Toby Threadgill als Kaicho und Menkyo Kaiden geleitet.[1]Karate gehört zum Gendai Budo, zu den Kampfkünsten, die nach 1868 in Japan entwickelt wurden. Hironori Otsuka (1892 – 1982) trainierte zwischen 1907 bis 1921 in zwei Perioden im Dojo von Tatsusaburo Nakayama (1870 – 1945) Shindo Yoshin Ryu.[2] 1934 gründete er Wado Ryu, das damit dem Gendai Budo zuzurechnen ist.[3]
Ziel des diesjährigen Wado und TSYR Lehrgangs war es, die Verbindung von Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu an beispielhaften Prinzipien, Bewegungsmustern aufzuzeigen und zu vermitteln.
Alles geht vom Kihon aus und kommt zum Kihon zurück
Threadgill und Shimura betonten gleich zu Beginn des Lehrgangs die große Bedeutung des Kihon. Kihon bedeutet Grundschule. Es ist eine Basisarbeit, die mit Hingabe, Präzision und Geduld trainiert werden muss. Dieses Basistraining schult Körper und Geist. Auch der Fortgeschrittene kommt immer wieder zum Kihon zurück, um sich seiner Techniken zu vergewissern, sie zu verfeinern, zu automatisieren und um sich auf dieser Basis weiterzuentwickeln.
Kihon, Kata und die ihnen innewohnenden Prinzipien
Threadgill ging in seinem Unterricht vom Taisabaki („Body Management“, meist bezogen auf eine Ausweichbewegung) aus, das seinen Ursprung im Shindo Yoshin Ryu in dem Umgang mit scharfen Waffen wie Schwert und Tanto hat. Auch Shimura betonte in seinem Training die Wichtigkeit des Taisabaki beispielsweise bei Nagashi Zuki und Kihon Kumite. Threadgill verdeutlichte mit zahlreichen weiteren Übungen, dass im Shindo Yoshin Ryu die Entwicklung der Paar-Kata mit bloßen Händen und die ihnen innewohnenden Prinzipien ebenfalls ihren Ursprung im Umgang mit Waffen haben. Dass dies den Kata innewohnenden Prinzipien in das Wado Ryu übernommen wurden, konnten die Teilnehmenden im Training von Shimura erfahren, z. B. Te Gaeshi in Kihon Kumite 5.
Neben dem Training von Kihon und Kihon Kumite vertiefte Shimura das Verständnis für die dem Wado Ryu innewohnenden Prinzipien durch Kata Kaisetsu (Untersuchung, Erklärung der Kata). Mit Kata Kaisetsu knüpfte Otsuka an seine langjährige Erfahrung mit der Pädagogik des Shindo Yoshin Ryu an. Dies vermittelte Shimura durch Kaisetsu-Übungen der Pinan und einiger höherer Kata. So schulte er bei den Teilnehmenden das Verständnis für das Studium der Körpermechanik und der Entwicklung von inneren Körperverbindungen und -dynamiken.
Diese anspruchsvollen Konzepte und Inhalte konnten von Threadgill und Shimura auch deshalb erfolgreich vermittelt werden, da die Teilnehmenden ein gutes Mindset und Zanshin verband: In einer konzentrierten und achtsamen Atmosphäre fand ein entspanntes Miteinanderlernen und ein kooperativer Austausch statt.
[1] Tobin Threadgill and Shingo Ohgami: Shindo Yoshin Ryu. History and Technique, Evergreen, Colorado 2019
Win-Win-Situation
Damit zeigte dieser Lehrgang – wie die vielen anderen der letzten zwanzig Jahre –, dass ein konstruktiver Austausch zwischen Wado Ryu und TSYR und das Miteinandertrainieren uns neue Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglicht und Spaß und Freude bereitet. Toby Threadgill als Kaicho und Menkyo Kaiden des TSYR und Koichi Shimura als einer der höchsten Repräsentanten des JKF Wado-Kai garantieren mit dem Wado und TSYR Lehrgang ein ausgezeichnetes inhaltliches Niveau dieser Kooperation auf hoher offizieller Ebene.
Verfasserin: Christina Gutz
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[1] Tobin Threadgill and Shingo Ohgami: Shindo Yoshin Ryu. History and Technique, Evergreen, Colorado 2019
[2] Tobin Threadgill and Shingo Ohgami: s.o., S. 101 f.
[3] Hironori Otsuka gründete 1934 die Vorläuferorganisation des Wado-Kai Verbandes, den „Dai Nippon Karate Shinko Club“. Dies wird als ursprüngliche Gründung des Wado Ryu gesehen. In den 1950er Jahren konstituierte Hironori Otsuka die „Zen Nippon Karatedo Renmei“. Am 5. Juni 1967 wurde der Name Zen Nippon Karatedo Renmei zu Wado-Kai geändert. Mit der Gründung der Federation of All Japan Karetedo Organization (FAJKO, später umbenannt zu JKF) Mitte der 1960er Jahre wurde die Bezeichnung Wado-Kai offiziell gebräuchlich.














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