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1. Berliner Nachwuchs Cup am Samstag, 19. November 2022

Da kann man nicht meckern


Genau genommen ist es sogar ziemlich beachtlich, was Junis Nassar da auf die Beine gestellt hat. Er bringt sich gerade auf den unterschiedlichsten Ebenen in den Berliner Karate Verband ein. So arbeitet er in der Geschäftsstelle und ist dort für die Organisation der sportlichen Bereiche zuständig, er ist Kadertrainer im Kumite, Kampfrichter und Sportreferent. Und nun rief er den 1. Berliner Nachwuchs Cup ins Leben.

Ein wesentlicher Impuls für Junis, dieses Nachwuchsturnier zu starten, war seine Erkenntnis, dass in unserer Kampfkunst zu wenig Kampf geboten wird. So bildet für manche angehenden Kampfkünstler:innen das Kihon-Laufen zunächst eine Herausforderung, bei der sich der Sinn der Übung nicht unmittelbar erschließt. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen man jedes Wochenende zu sportlichen Begegnungen unterwegs ist, stellen die Meisterschaften auf Landesebene häufig eher eine Überforderung für Neulinge dar und gehen nicht selten mit Frustration bei ihnen einher. Erschwerend kommt hinzu, dass es gelegentlich nach langem Warten in der Halle nur zu einem Kampf kommt. Wartezeiten vor dem eigentlichen Kampf lassen einen gezielten Spannungsaufbau kaum zu.

Junis sieht seine Aufgabe somit darin, den Wettkampf im Karate langfristig eingehender von unten aufzubauen und somit attraktiver zu gestalten. Er wünscht sich ein Abrücken vom KO-System und die Einführung von Ligen. Dabei ist ihm natürlich klar, dass die Karate-Turniere kostenintensiv und organisationsaufwändig sind.

Eine durchgängige und zufriedenstellende Wettkampfkultur sieht Junis in der Zusammenarbeit von Vereinen und Trainer:innen, die ein selbstverantwortliches Low-Budget-Konzept umsetzen könnten. Ein niedrigschwelliges, einsteigerfreundliches Angebot für die Sportler:innen wäre das Ziel. Spannung und Ehrgeiz gehören natürlich zu jedem Turnier, aber gerade bei den Nachwuchsturnieren sollte es um ein freundliches Miteinander aller Akteur:innen gehen. Organisator:innen, Kampfrichter:innen, Trainer:innen und die Sportler:innen könnten sich als Team für das Gelingen einer solchen Veranstaltung verstehen.




Das war nun auch der Ansatz für den 1. Berliner Nachwuchs Cup am 19.11.2022.

239 Sportler:innen bei 387 Nennungen lassen darauf schließen, dass bei der Turnierausschreibung der richtige Nerv getroffen wurde. Erleichtert wurde die Entscheidung zum Mitmachen auch durch die 5 € Startgeld pro Starter:in für alle Starts, die in der jeweiligen Klasse möglich waren.

Um regelmäßige Turniere für die Wettkampf-Beginner:innen zu ermöglichen, wünscht sich Junis eine aktive Teilnahme der Vereine – gerade auch der Vereine, die mit vielen Teilnehmer:innen beim Turnier antreten. Er wünscht sich Helfer:innen und Kampfrichter:innen, die die Nachwuchsturniere vor allen Dingen aus Interesse für ihre Sportler:innen und Leidenschaft für ihre Sache begleiten.

Für dieses Turnier hat das schon ganz gut geklappt und der Verband bedankt sich ganz herzlich für die Teilnahme der Kampfrichter:innen, der Helfer:innen und bei den Menschen, die die Organisation sowie den Auf-und Abbau unterstützt haben. Ein Dank geht ebenfalls an das Restaurant „Diner`s & Sportsbar Paris-Rom-Erkner“ für das Sponsoring der Verpflegung für die Helfer:innen. Auch dies trug zur guten Stimmung bei und leistete somit einen wichtigen Beitrag für das gute Gelingen des Turniers.


Regelmäßige Turniere bieten nicht nur den Sportler:innen die Möglichkeit, Wettkampf mit Siegen und Niederlagen zu lernen, sondern auch den Kader-Trainern Gelegenheit, hoffnungsvollen Nachwuchs aufzuspüren. Bei Gesprächen am Mattenrand werden u.a. Fragen aufgeworfen, wie z. B. warum bei einem Nachwuchsturnier bereits ärztliche Atteste notwendig wären, da man sich da noch lange nicht im Bereich des Leistungssports befindet.


Mein Wunsch nach einer Ergebnisliste nach dem Turnier wurde mit dem Hinweis glatt abschlägig beschieden, dass die Vereine, die viele Starter:innen schicken, natürlich auch eine höhere Platzierungsquote hätten und sich die Aussagekraft dadurch eh in Grenzen hielte. Mir hat dieser Standpunkt gefallen, zumal es Siegerehrungen mit Pokalen und Medaillen gab, somit die jungen Sportler:innen sichtbare Beweise ihrer Erfolge nach Hause mitnehmen konnten. Coaches und Trainer:innen konnten ihrer Sichtweise auf ihre Schützlinge einen weiteren Aspekt hinzufügen.


Es freut mich sehr, auch hier zu erleben, wie eine personelle Erneuerung in unserem Verband zu hoffnungsvollem Neuaufbruch führen kann. Gelegentlich kann der Weg ein wenig holprig sein, muss aber gewagt werden. Verharren im Altbewährten bringt niemanden voran, vor allen Dingen nicht im Nachwuchssport.


Verf.: Brigitte Benjes






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