Berlin, den 31.Mai 2007  
Masse mit Klasse  

 

 

Als wir heute die Halle in der Ohlauer Str. betraten, um dem Fortgeschrittenentraining des Vereins Shotokan Karate Berlin zuzuschauen, stellte sich Joachim Grupp mit seinen Leuten als einer der besten Vereine Berlins vor. Das geschah zwar mit leicht ironischem Unterton, aber er hat ja Recht.

 

Wir sahen in der gut besuchten Halle ein konzentriertes, anspruchsvolles Kihon- und Kumite- Training mit hochmotivierten Sportlern. Auch hier fand ein Wechsel zwischen Dehn- und Kraftübungen und dem eigentlichen Karate statt, welcher forderte, doch nicht überforderte. Beste sportliche Leistung zu bringen und dabei die körperlichen Möglichkeiten zu steigern, ohne die Gesundheit des Sportlers zu gefährden ist das Ziel.

Ein günstiger Zeitpunkt zu bemerken, was bisher bei allen Vereinen, denen wir beim Training zuschauten, auffällt: Der Gesundheitsaspekt wird überall besonders hoch eingeschätzt und die Trainer befinden sich auf dem neusten Stand der Trainings methodik . Das wird nicht nur von den Trainern behauptet, sondern ist im Training sichtbar.

 

Joachim ist ein sehr ruhiger Lehrer, der viel erklärt und ausführt, genau hinschaut und verbessert, seine Sportler antreibt. Viel Wert wird auch darauf gelegt, dass die Schwarzgurte mit den bunten Gürteln Partnerübungen machen, die unteren Gürtelgrade von den weiter Fortgeschrittenen im direkten Kontakt lernen. Alles andere würde Joachim als Ressourcenverschwendung ansehen. Die Sportler schauen sich gegenseitig bei verschieden Übungen zu und besonderes Vergnügen bereitet es bei Klara. Die junge Frau betreibt bereits seit 20 Jahren Karate und war einige Jahre lang im Nationalteam.

 

Im Verein achtet man darauf, dass die Mitglieder aus einem zwar breiten aber harmonierenden Spektrum kommen. Wer richtig gutes Shotokan-Karate trainieren möchte und jederzeit bereit ist, sein bestes zu geben, wird hier s einen Platz finden und sich richtig wohlfühlen. Von allen wird jedoch Lernbereitschaft und voller Einsatz erwartet: Einigkeit besteht darüber, dass man sich nicht im Häkelclub befindet. So kommen die meisten Vereinsmitglieder durch Mund- zu Mund Propaganda zum SKB, manche sind auch durch die Bücher von Joachim Grupp neugierig geworden. Veranlasst fühlte sich Joachim zum Verfassen der Bücher, weil er in der deutschsprachigen Literatur genaue Prüfungsanweisungen zu den jeweiligen Prüfungsstufen vermisste, außerdem kamen ihm die hiesigen Bücher etwas antiquiert vor. Hinzu kam, dass er einen guten Fotografen kannte, im Marketing tätig ist und damit wusste , wie man derart komplexe Projekte erfolgreich umsetzt. Das Konzept ist aufgegangen, seine Bücher gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der deutschsprachigen Karateliteratur.

 

Die Altersstruktur im Verein liegt im wesentlichen zwischen 20 und 35 Jahren - der Frauenanteil unter den ca. 110 Mitgliedern bei gut 40 %. Im SKB trainieren insgesamt 17 Schwarzgurte, zahlreiche davon sind Frauen . Kindertraining gibt es nicht, da die meisten Vereinsmitglieder beruflich zu eingespannt sind, um bereits am späten Nachmittag Training zu geben. Ein Katatrainer, der immer am Dienstag Training für die Oberstufe gibt und sehr hoch gelobt wird, gehört nicht dem Verein an. Exzellentes Katatraining für Braun- und Schwarzgurte erfordert nach Joachims Ansicht ein ganz spezifisches Trainertalent und viel Erfahrung in diesem Bereich, welches er dafür nicht in einem Umfang besitzt, der seinem eigenen hohen Anspruch gerecht wird. Sein Schwerpunkt als Trainer ist das Kumite und Kihon, obwohl er selbst auch gerne Kata trainiert.

 

Dem Verein stehen zwei Hallen zur Verfügung, in denen jeden Abend trainiert wird, für Sonntag hat man für das Kumite-Wettkampftraining einen Raum mit Matten gemietet. Im Sommer findet immer eine Anfängerfahrt nach Neustrelitz und ein Sommerfest statt und Weihnachten eine Weihnachtsfeier. Im Verein, der 1990 von Joachim Grupp gegründet wurde und von Beginn an eine gute Gruppenstruktur aufwies, gibt es viele Freundschaften; Beziehungen entstehen und auch beruflich unterstützt man sich nach Möglichkeit gegenseitig. Es ist im Laufe der Zeit ein funktionierendes Netzwerk entstanden. Man versteht sich als Breitensportverein, jedoch wird außerdem ein Wettkampftraining angeboten, aus dem sehr erfolgreiche Sportler hervorgehen.

 

Joachim hat 1976 mit Goju-Ryu Karate begonnen. Bereits im Jahr 1979 wechselte er allerdings zum Shotokan-Karate. Es gefällt ihm deshalb so gut, weil es sehr dynamisch, explosiv und gradlinig ist. Beim Karate hat ihn am Anfang der Selbstverteidigungsgedanke angezogen. Dann stand lange Zeit die Phase als Wettkämpfer im Zentrum .

Mittlerweile sind diese Aspekte in den Hintergrund getreten. Heute ist das Training „für sich selbst“ seine Motivation, um nach über 30 Jahren Karatepraxis immer noch fast jeden Abend den Karate Gi anzuziehen; das Training auch als Ausgleich zum Berufsleben und um seine Erfahrung an die Wettkämpfer und Breitensportler weiterzugeben. Inzwischen ist ihm der Sport zum festen Lebensbestandteil geworden. Karate bezeichnet er als den perfekten Ausgleich zum beruflichen Alltag.

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Als perfekt empfanden die Besucherinnen auch die Lage der Halle mitten im Kreuzberger Kiez zwischen Reichenberger und Wiener Str. Da ist ein schier endloses Potential an Lokalen vorhanden, wo sich die Zeit nach dem Training wunderbar verplaudern lässt.

 

Kurz und gut: ein Abend, der Erstaunen, Bewunderung und gute Laune hervorrief