Vereinsbesuch: Shotokan Karate Berlin e.V.

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Beim SKB geht beides. Nachdem es im vorigen Jahr einen Wechsel des Vereinsvorsitzenden im Verein gegeben hatte, war es Zeit, dem SKB wieder einen Besuch abzustatten. Joachim Grupp hatte den Vorsitz ganz ohne Probleme an Dr. Matthias Grott abgegeben. Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, dass ein Wechsel so reibungslos verläuft.

Neugierig geworden, wo Matthias arbeitet (im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.) wollte ich ihn gerne von der Arbeit abholen, was er netterweise gestattete. Nach einer etwa halbstündigen Anreise mit der S-Bahn landete ich auf dem mir ziemlich fremden Planeten Adlershof. Man findet dort auf riesigem Terrain viele anonyme Neubauten, breite Straßen und versiegelte Flächen. Es mag sein, dass hier die Schönheit im Verborgenen blüht, die vielen Büro- und Institutsgebäude machen jedoch erstmal wenig Lust zum Suchen. Nun gut, ich wollte es so und die Entschädigung ließ nicht lange auf sich warten.

Matthias nahm mich in Empfang und versuchte mir, seine Arbeit in der Planetenphysik nahezubringen. Nicht ganz einfach, wenn ein Könner auf völlige Ahnungslosigkeit trifft. Das hat er jedenfalls sehr freundlich und souverän gelöst. Grundsätzlich ist er mit Temperaturmessungen auf Planeten und Asteroiden betraut, bzw. mit dem Bau entsprechender Messgeräte. Diese Messgeräte werden dann im Rahmen von internationalen Raumfahrtprojekten zu ihrem Bestimmungsort geschickt, um Oberflächen-und Tiefenmessungen vorzunehmen. Natürlich handelt es sich um hochsensible und spezielle Geräte, die auch in extremen Wärme- und Kältebedingungen genaue Werte übermitteln sollen. So gibt es zum Testen im Labor entsprechende Kammern. Von allen Messgeräten, die hergestellt werden, gibt es immer ein Duplikat, welches entweder als Notfallersatz fungiert oder als Versuchsobjekt dient, wenn Gerät am Einsatzort nicht nach Wunsch funktioniert.

Bei all diesen Projekten handelt es sich um sehr langfristige Prozesse, die nicht unbedingt mit dem eigenen Arbeitsleben in Einklang stehen. So ist es wahrscheinlich, dass man mitten in ein Projekt hineinspringen muss oder nicht das Ende des Projekts erleben kann, welches man selbst mit initiiert hat. Also nichts für Leute, die immer  den schnellen, direkten Erfolg ihrer Arbeit sehen müssen. Besonders toll ist dann, wenn man eine Mission mit entwickelt, die Landung der Sonde glückt, die Messungen reibungslos vonstatten gehen und die Messergebnisse wie erwartet eingehen. Wenn andersherum eine Sonde bei der Landung zerschellt, löst sich die Arbeit vieler hochqualifizierter Menschen mal eben in den Weiten des Raumes auf.

Was offenbar die Fantasie vieler Menschen beflügelt, ist für Matthias u.a. zu kleinteiliger Praxis geworden. Ursprünglich war er durch sein Studium eher theorieorientiert, nun greift er auch zum Lötkolben, wenn direkt eine Änderung an einem Versuchsaufbau vorgenommen werden muss und hat auch noch Spaß dabei. Gemeinsam fuhren wir dann in die Kreuzberger Böckhstraße, wo am Dienstag das Kata-Training von Christian Esni stattfindet.

Während der Fahrt erzählte Matthias, dass er ursprünglich mit Jiu Jitsu seinen sportlichen Werdegang begann, erst noch Karate ergänzend hinzufügte, sich dann aber ausschließlich dem Karate zuwandte. Als er schließlich nach dem Studium in Berlin sesshaft wurde, suchte und fand er sofort den SKB und fühlte sich dort von Anfang an zu Hause. Joe Grupp animierte ihn durch die Teilnahme am Shotokan Cup zum Wettkampf. Durch den Spaß und Erfolg angestachelt, machte Matthias weiter und wurde im letzten Jahr Deutscher Meister in der Masterklasse Kumite + 80 kg.

Seitdem Matthias den Vorsitz übernommen hat, gab es nach seiner Ansicht kaum Veränderungen im Verein, außer dass sich Sebastian Apenbrink als Sportwart um das Wettkampfgeschehen kümmert, was für Matthias eine große Erleichterung darstellt.

Großes Bedauern gibt es im Verein noch um die Halle in der Bärwaldstraße. Dort passte alles gut zusammen und der Verein konnte ein eigenes Dojo einrichten, aber leider besteht in absehbarer Zeit wenig Hoffnung, dort wieder Karate bzw. irgendeinen Sport betreiben zu können. Offenbar gib es nicht einmal ein klares Konzept, wie es mit der Schwimmhalle einschließlich der Nebenräume weitergehen soll. Das überrascht natürlich den Berliner Menschen nicht, macht aber auch wütend und traurig, weil das in unserer schönen Stadt immer so geht. Einstweilen ist der Verein gezwungen, in drei verschiedenen Hallen zu trainieren.

Zurück zu Christian Esni: Wann immer bei den Shotokan-Sportfreunden die Rede auf das Training bei Christian kam, begegnete mir die gleiche Begeisterung. Alle sind angetan von seiner Didaktik und dem Trainingsaufbau. Matthias meinte, dass für ihn jedes Dienstagstraining wie ein Lehrgang sei, da keine Stunde vergehen würde, ohne dass er Neues  lerne. Freunde aus anderen Shotokan-Vereinen sehen das ähnlich und klinken sich gerne bei diesem Training ein. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Inzwischen kommt neben unserem Pressereferenten des Berliner Karate Verbandes, Gerald Wagner, der dieses Amt bereits seit vielen Jahren perfekt ausfüllt, unser neuer BKV-Sportreferent Erik Wegener vom SKB. Viel mehr geht nicht. Der BKV kann zufrieden sein, einen solchen Verein in seinen Reihen zu haben.

Brigitte Benjes