Wado Ryu-Lehrgang mit Toby Threadgill und Koichi Shimura

2WadoTSYRLg02.2018.JPGZwei Senseis mit Weltklasseniveau leiteten unseren  Wado und TSYR Lehrgang am 17. und 18. Februar in Berlin: Toby Threadgill, Kaicho und Menkyo Kaiden Takamura Ha Shindo Yoshin Ryu, und Koichi Shimura, 7. Dan JKF Wado-Kai und JKF Wado-Kai 1st Instructor, Generalsekretär JKF Wado-Kai. 150 Teilnehmer aus 16 Nationen, unter ihnen zahlreiche hohe Dan-Träger, zeugen von der internationalen Bedeutung des Lehrgangs.

Die Begründung der Kernprinzipien des Wado Ryu im SYR: Ten-I, Ten-Tai, Ten-Gi

Wado und TSYR Lehrgang mit Toby Threadgill (USA) und Koichi Shimura (Japan) 

am 17. und 18. Februar 2018 in Berlin

Christina Gutz

Toby Threadgill und Koichi Shimura verdeutlichten die Verbindung zwischen Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu  mittels dreier grundlegender Prinzipien des Wado Ryu, die ihren Ursprung im Shindo Yoshin Ryu (SYR) haben: Ten-I, Ten-Tai und Ten-Gi. Das Zusammenwirken dieser drei Prinzipien wird im TSYR I-Tai-Gi und im Wado Ryu San-Mi-Ittai genannt. 

I-Tai-Gi und San-Mi-Ittai

Toby Threadgill erläuterte und demonstrierte I-Tai-Gi zunächst an grundlegenden Übungen. So ließ er bei-spielsweise die Teilnehmer ihren Partner mit einem geraden Fauststoß angreifen. Der Verteidiger hatte die Aufgabe, sich vom Angriff wegzubewegen und seine Position zu verändern, damit er sicher ist, der Angreifer aber nicht = Ten-I. Dabei drehte der Verteidiger den Körper so, dass er eine günstige Position zum Angreifer einnahm, eine geringere Angriffsfläche bot und gleichzeitig mehr Schärfe in die Bewegung brachte = Ten-Tai. Ten I und Ten Tai wurden nun genutzt, um mit dem Konter den Angreifer aus der Balance zu bringen und ihn zu kontrollieren = Ten-Gi. Toby Threadgill führte die Teilnehmer von diesen Grundübungen zu ausgewählten Partnerkata des TSYR, u. a. Te Hodoki (Befreiung aus einer Handgelenksumklammerung), Tachiai Tedori Ku-zushi (Partnerkata, aus denen Hironori Otsuka die Kumite Gata abgeleitet hat) und die TSYR Kata Kinukuguri (aus ihr entwickelte Otsuka Kihon Kumite 10). Toby Threadgill vermittelte den Teilnehmern hierbei auch, dass I-Tai-Gi immer in Zusammenhang mit weiteren Prinzipien wie Entspannung und Chushin Tadasu (korrekter Kör-perstruktur), Maai und Sente stehen. 

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Koichi Shimura begann seinen Unterricht mit Kihon, da Kihon im Wado Ryu am wichtigsten ist und präzises Üben Voraussetzung für ein gutes Karate ist. Wie Toby Threadgill war es Koichi Shimura wichtig, dass die Teilnehmer eine korrekte Körperstruktur haben, aus der Entspannung arbeiten, auf richtiges Maai achten und sich bewusst sind, dass auch aus einer Verteidigungsposition mit Sente agiert wird. Die Präzision des an-fänglichen Kihon übertrug Koichi Shimura auf die Wado Ryu Kata und Kihon Kumite 1 – 10. Am Beispiel von Kihon Kumite 1 erläuterte er explizit die Prinzipien von San-Mi-Ittai: Auf den ersten Tsuki Jodan des Angreifers reagiert der Verteidiger mit einer knappen seitlichen Ausweichbewegung des gesamten Körpers = Ten-I und der gleichzeitig erfolgenden Rotation der Körpermitte = Ten-Tai sowie Ude Nagashi Uke rechts = Ten-Gi. Der Gyaku Tsuki Chudan des Angreifers  wird ebenfalls durch eine seitliche Ausweichbewegung des gesamten Körpers = Ten-I sowie einer simultan erfolgenden Rotation der Körpermitte = Ten-Tai und einer gleichzeitigen abwehrenden Armbewegung rechts und Ura-Tsuki links  = Ten-Gi gekontert. Die Prinzipien Ten-I, Ten-Tai und Ten-Gi arbeitete Koichi Shimura auch bei Kihon Kumite 2 – 10 immer wieder heraus. Insbesondere konnten die Teilnehmer so Kihon Kumite 10 des Wado Ryu unmittelbar mit Kinukuguri des TSYR vergleichen und die ge-meinsame Schnittmenge der Prinzipien von Wado Ryu und TSYR erfahren.

Dank des direkten Bezugs des Trainings von Koichi Shimura und Toby Threadgill wurde den Teilnehmern deutlich, dass Hironori Otsuka die Prinzipien I-Tai-Gi aus dem SYR in das Wado Ryu als San-Mi-Ittai übertra-gen hat: 

SYR: „I-Tai-Gi wird übersetzt als Bewegung, Körperposition, Technik. Es steht in Beziehung zu Kuzushi, Tsu-kuri, Kake (aus dem Gleichgewicht bringen, überlegene Position, Ausführung). I-Tai-Gi stammt aus dem Ken-jutsu. Kuzushi, Tsukuri, Kake sind aus dem Taijutsu.“ Toby Threadgill

Wado ryu: Ten-I = Verändern der Position oder ein knappes Wegbewegen vom Angriff, Ten-Tai = Drehen und Wiederausrichten des Körpers, um so eine günstige Position zum Angreifer einzunehmen und eine geringe Angriffsfläche zu bieten, Ten-Gi = Ausführen der Technik. 

 

Viel Anerkennung hatten die Teilnehmer auch für das methodisch-didaktische Vorgehen von Koichi Shimura und Toby Threadgill. Zudem schufen beide eine entspannte und konzentrierte Lernatmosphäre mit individuel-len Hilfestellungen und Korrekturen sowie einem strukturierten Trainingsablauf, der auch an die jeweilige Teil-nehmergruppe angepasst wurde. 

 

Wado und TSYR – Gemeinsamkeiten und Freundschaften

Ten-I, Ten-Gi, Ten-Tai sind Prinzipien, die im SYR ihren Ursprung haben und von Hironori Otsuka ins Wado übertragen wurden. I-Tai-Gi und San-Mi-Ittai verdeutlichen exemplarisch die gemeinsame Schnittmenge und darüber hinaus die historisch begründete Verbundenheit zwischen TSYR und Wado Ryu. Toby Threadgill als Kaicho und Menkyo Kaiden des TSYR und Koichi Shimura als einer der höchsten Repräsentanten des JKF Wado-Kai garantieren ein ausgezeichnetes inhaltliches Niveau und eine Kooperation auf hoher offizieller Ebe-ne. Dieser Austausch und das freundschaftliche und offene Miteinander aller Teilnehmer bekräftigt die Ge-meinsamkeiten zwischen Wado und TSYR: Alte Freundschaften wurden gestärkt und neue geschlossen.  

Wiedersehen 2019 in Berlin

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim Wado und TSYR Lehrgang mit Toby Threadgill und Koichi Shimura am 23. und 24. Februar 2019 in Berlin.

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