Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei DOKAN Berlin

Dokan_Logo.jpgDokan musste im vorigen Jahr aus seinen alten Räumen in der Pistoriusstraße ausziehen, inzwischen hat Guido Wallmann in einem riesigen Kraftakt zusammen mit (Vereins)freunden und natürlich mit seiner Lebensbegleiterin Janina Kaiser für seinen Verein eine Traglufthalle am Weißensee aufgebaut, betriebsbereit gemacht und bezogen.

Selig sind die Sanftmütigen. Nach meinem Besuch bei Dokan Berlin geistert dieser Satz in meinem Kopf herum. Eigentlich nicht so meine Fraktion. Natürlich war ich gespannt, das alles zu sehen und schaffte endlich wieder den Weg an den Weißensee. 

Weit entfernt davon, zum engen Kreis von Dokan zu gehören, fühlte ich mich sogleich nach dem Betreten der Halle wie heimgekommen. Es gab freundliche Begrüßungen, Umarmungen, Nachwuchs kennenlernen, Geplauder und natürlich einen guten Kaffee.
Ja, was soll man sagen? Es ist eine Halle, die in verschiedene Bereiche wie Tresen, Sitzbereich, Umkleiden, Fitness- und Trainingsraum abgetrennt ist, aber halt nur unten. Sprich - den Geräuschpegel bezieht man aus der gesamten Halle.

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Während Guido seine Einheit des Talenttrainings gab, trainierte Janina im anderen Teil des Raumes eine Gruppe junger Mädchen im Tanz. Diese Kombination wird m.E. im Karate nicht als optimal angesehen. Die Idealvorstellung ist doch immer eher, in einem schlichten und kontemplative Atmosphäre vermittelnden Dojo Karate zu praktizieren. Wunderbarerweise entsteht während des Trainings eine hochkonzentrierte Übungshaltung. Ich habe keine Ahnung ob es an dieser altersgemischten Gruppe liegt, bei der der jüngste Teilnehmer 8 Jahre alt ist und der älteste Carsten Walther sein dürfte. Da weiß offenbar jeder, worauf es ankommt.

Das Thema der Stunde war Fixierung- also wie man bei den Techniken zu einem überzeugenden Abschluss kommt und dem vermeintlichen Gegner die eigene Überlegenheit deutlich macht. Faszinierend ist es, wie Guido aus freundlichsten Erläuterungen heraus eine Technik hinzaubert, die wirklich umhaut. Ebenso spannend war es, Morris Tellocke aus nächster Nähe beim Training zu sehen. Die Kombination aus Athletik und Präzision ist sehr speziell. Eigentlich fand ich im Bereich Kata meist die japanischen Karateka sehr überlegen in der Darbietung, aber - je ne sais pas quoi - hat mich überzeugt, dass es da ganz andere, durchaus adäquate Ausdrucksformen geben kann.

Natürlich sprachen Guido und ich über die Zukunft des Vereins und der Sportschule Dokan, die unmittelbar mit seiner eigenen Zukunft verknüpft ist. Sie hängt gerade an einem seidenen Faden von einer Entscheidung der Senatsverwaltung für Finanzen ab. Keine schöne Vorstellung. Auf der Internetseite von Dokan kann man ganz weit unten am Ende der ersten Seite lesen, was in den neun Jahren in Sachen Neubauplanung geschah. Dort sind die wichtigen Etappen aufgelistet, die Guido von der ersten Idee, ein Sportzentrum am Weißensee zu errichten bis heute durchlebt hat. Das war ein Wechselbad der Ereignisse und Gefühle, und mich beschleicht der Gedanke, dass man in Berlin kaum noch bauen kann, wenn man nicht ein Großinvestor ist und bergeweise Geld im Hintergrund hat. Erschwerend kommt bei dem Baugrundstück hinzu, dass es sich um Pachtland handelt, welches inzwischen wegen der steigenden Preise höher gehandelt wird. So hat Guido Wallmann die Möglichkeit, seine besten Eigenschaften als Kämpfer außerhalb des Dojo zu beweisen. Er fokussiert unbeirrt sein Ziel, gibt nicht nach und bewahrt dabei eine erstaunliche Contenance.

PS: Für die angehenden Talente gibt es eine Mikoprüfung.

Brigitte Benjes