Zurück zur Basis: Ein Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi beim SKB

Samad1_klein.jpgWarum geht man zu einem Lehrgang? Man kann Neues lernen. Oder Grenzen erfahren. Oder nach Fehlern suchen, die sich in unserem normalen Trainingsalltag eingeschlichen haben. Samad Azadi kann das beurteilen. Der frühere Kumite Vize-Weltmeister beobachtet das an seinen eigenen Wettkämpfern. Natürlich ist ein Sanbon mit einem Jodan-Ura-Mawashi eine spektakuläre Technik. Und oft kampfentscheidend. Aber viel zu selten, wenn die Basics nicht stimmen. Timing, Reaktion, Grundschnelligkeit: Wenn das nicht passt, wird es auch nichts mit den anspruchsvollen Techniken. Also zurück zu den Wurzeln – nennen wir es Kihon-Kumite.

Trainiert wurden bei diesem Lehrgang deshalb die scheinbar einfachen Techniken – Gyaku-Zuki, Oi-Zuki, Kizami-Zuki. Zunächst zum Aufwärmen als Kihon. Den Körper auf Leistungsniveau bringen, nannte Azadi das. Dann zeigte sich rasch, dass auch diese Techniken ihre Tücken haben. Man muss sie nur realistisch variieren. Also etwa den Kizami als direkten Konter einsetzen. Entweder im geraden Reingehen in den Angreifer, oder durch seitliches Rausgehen. Tai Sabaki – das seitliche Ausweichen aus der Angriffsrichtung – ist etwa in anderen Stilrichtungen häufiger, erklärte Samad. Nur müsse man das dem Shotokan nicht hinzufügen, das ist ja alles vorhanden. Es wird nur zu selten eingesetzt.

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Schwierig wird das alles durch die Geschwindigkeit des Angreifers. Dessen Angriff etwa mit einem Gyaku-Zuki muss man erst einmal abwarten. Und erst dann kann man kontern. Also muss man schneller sein, dem Angreifer auch noch helfen (man läuft ihm ja regelrecht in seinen Angriff rein anstatt zurückzuweichen) und die eigene Technik als erster ins Ziel bringen. Dazu kommt noch die Schwierigkeit, dass man dabei ständig den Partner zu wechseln hatte. Also auch dauernd unterschiedlich lange Arme … das ist wirklich äußerst schwierig. Verfestigt wurde das noch an den Pratzen in Kombination mit Mawashi-Geri Chudan und Jodan.

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Zum Schluss gab es von Samad noch als Zugabe eine Technik, die man sehr selten sieht: Den Tobi-Zuki. Man täuscht dabei unten eine Fußtechnik an und schlägt dann im Sprung von oben einen Gedan-Zuki zum Gegner. Sah bei manchen allerdings eher wie ein Kamikaze-Zuki aus …

Man war nach diesen Trainingseinheiten bei Samad Azadi vielleicht nicht so erschöpft wie in den vergangenen Jahren (ja, wir erinnern uns an die berühmte Schubkarre mit anschließendem Zurücktragen des Partners durch die ganze lange Flatowhalle …). Aber man hatte mal wieder gezeigt bekommen, was man alles an den Grundlagen verbessern kann. Da kann man sich auch nicht damit herausreden, dass ja nicht jeder einen gesprungenen Ushiro-Uramawashi können muss … Aber mit dem Gyaku-Zuki sollte es schon klappen.

Samad Azadis Lehrgang mit Schwerpunkt Kumite beim SKB ist mittlerweile für viele Berliner Karatekas ein fester Termin in ihrem Trainings-Kalender; ebenso wie die jährliche Shotokan Danprüfung, die in diesem Jahr 12 Prüflinge bestanden. Auch von außerhalb fanden in diesem Jahr wieder zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg nach Berlin. Die Gäste kamen z.B. vom Bodensee, aus Leipzig, Frankfurt und Hildesheim angereist.

Wir freuen uns schon auf Mai nächstes Jahr!

Gerald Wagner
Pressereferent BKV