Wir trainieren den Moment - ein Lehrgang mit Bundestrainer Efthimios Karamitsos in Berlin

Karamitsos2013.jpg"Es reicht nicht, immer nur weiter zu trainieren, um uns im Karate weiter zu entwickeln. Wir müssen auch immer wieder neue Trainingsformen einsetzen." Und wo könnte man das besser lernen als beim Autor dieses Zitats selbst? Auch in diesem Jahr begeisterte Efthimios Karamitsos (7. Dan) bei seinem Lehrgang in Berlin die Teilnehmer wieder mit der unerschöpflichen Vielfalt seiner Methoden, unser Karate zu verbessern.

Die Hüfte, erklärte der Bundestrainer, hat drei Funktionen: Sie dämpft die Bewegung des Körpers beim Zurückgehen, sie verbindet die obere und die untere Körperhälfte, und schließlich bildet sie mit dem Bauch unser Gefühlszentrum. Am wichtigsten im Karate ist dabei ihre Funktion als Verbindung von Beinen und Rumpf des Körpers. Eine starke Technik ist nur möglich, wenn wir die Hüfte in eben dieser Funktion einsetzen – für die Übertragung der Streckungsbewegung des Beins auf den Oberkörper und die ausführenden Arme. Also: Hüfte, Hüfte, Hüfte!11.jpg

Kihon vertiefen mit Kumite-Anwendungen

Karamitsos ließ dieses Thema wie immer gleich in der Anwendung mit dem Partner trainieren. Das ging sowohl im Einsatz von Morote-Blocks in der Selbstverteidigung als auch im Kihon mit anschließender Vertiefung in verschiedenen Kumite-Sequenzen. Der Bundestrainer führte der Oberstufe vor, wie vielfältig man einen korrekten Einsatz der Hüfte trainieren kann: Mit einem kleinen Einsatz der Hüfte im Stand, einem größeren durch Schließen der Füße, bis hin zur "großen Hüfte" durch vollständiges Abdrehen des Körpers sowie einer ganzen Drehung.

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Erst die Einheit macht eine Technik perfekt

"Man kann alles auch einzeln einsetzen", sagte Karamitsos, "Arme, Hüfte, Beine, den Rumpf. Aber es geht darum, aus all dem im Moment der Technik eine Einheit zu machen." Um für den notwendigen Stress zu sorgen, wurde das unter ständiger Variation der Angriffe und Blöcke trainiert. Thema dabei natürlich immer: Ein maximaler Einsatz der Hüfte. Die Technik wird dann nicht schnell, sondern kurz, erklärte der Bundestrainer. Also kurz im entscheidenden Moment höchster Anspannung. Ohne eine bewegliche Hüfte geht das natürlich nicht.

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Vor allem dann nicht, wenn man gezwungen ist, sein übliches Verhalten bei Blocks zu variieren. Die meisten von uns gehen bei einem Block rückwärts. Das ist ganz natürlich und naheliegend. Besser ist es, seitlich auszuweichen. Die Kontermöglichkeiten sind dann schon deutlich größer und für den Angreifer viel schwieriger zu blocken. Noch besser, aber auch viel schwieriger ist es, beim Blocken eines Angriffs in dessen Richtung vorzugehen. Das erfordert Mut, ein gutes Auge, und natürlich - eine schnelle Hüftrotation. Dadurch kann es gelingen, dass man beim Blocken am Angreifer vorbei in dessen Rücken kommt - für einen Konter natürlich die bei weitem beste Position. Karamitsos ließ das üben - für die meisten eine sehr ungewohnte und schwierige Aktion.

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Für die Shotokan-Vereine des BKV ist dieser Lehrgang mit Karamitsos immer so etwas wie ein Jahresabschluss-Familientreffen. Dafür sorgten wie jedes Jahr die Helferinnen und Helfer von DOKAN Berlin, bei dem zum Abschluss des Lehrganges auch eine DAN-Prüfung stattfand. Die 26 Prüflinge, die z.T. aus ganz Deutschland angereist waren, zeigten alle sehr gute Leistungen, darunter auch zwei Karateka, die bei Efthimios Karamitsos und Guido Wallmann ihren 5. Dan ablegten. Herzlichen Glückwunsch an alle neuen Dan-Träger und ein großes Dankeschön an den Bundestrainer für diesen Lehrgang.

 

Gerald Wagner, Pressereferent BKV