Training mit dem Weltmeisterinnen-Trainer: Ein Lehrgang mit Efthimios Karamitsos

1.jpgMit viel Schwung von der besonders für ihn äußerst erfolgreichen WM kam ein gut aufgelegter Efthimios Karamitsos (7. Dan) am 29. November zu seinem alljährlichen Lehrgang nach Berlin. Wie immer war das Training mit dem Kata-Bundestrainer des DKV für viele Berliner Karateka so etwas wie der Höhepunkt und gleichzeitig Jahresabschluss ihres Trainings. Der ausrichtende Verein Dokan begleitete den Lehrgang wie gewohnt mit einer perfekten Organisation. Das gilt auch für die Kuy- und Dan-Prüfungen dieses Wochenendes. 

Nach einem intensiven Training der Heian Nidan mit der Mittelstufe begann Karamitsos das Oberstufen-Training betont einfach mit Übungen zum Soto-Uke. "Der natürlichste und einfachste Block", nannte er diese Abwehr. Doch schon in der Kombination mit den fünf verschiedenen Gyaku-Zukis und Anwendung gleich mit dem Partner verlor sich diese Einfachheit rasch. Wie immer baute Karamitsos das Training dabei nach dem Muster "kihon-basiertes Partnertraining" auf, also die Grundtechniken einer Kata gleich aus der Grundschule heraus anwenden und dann erst gegen Ende als ganze Kata (Bassai Dai) zusammen üben.

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Das war wie gesagt zunächst recht leicht, steigerte sich dann aber durch Variationen (etwa als Gyaku-Soto Uke) und verschiedensten Kombiantion und Drehungen zu einem sehr anspruchsvollen Programm, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmern höchste Konzentration abverlangte. Anhand der Kombination von Soto Uke und Uraken Jodan veranschaulichte der Bundestrainer das Prinzip der Schließung und Öffnung des Körpers. "Hier schließt sich der Kreis", erklärte er. 

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Merkwürdige Techniken, aber nicht merkwürdig ausführen

Anhand der Bassai Dai sprach Karamitsos dann von den "merkwürdigen" oder "außergewöhnlichen Techniken", die es in jeder Kata gibt. In der Bassai Dai etwa der Yama Zuki. "Merkwürdig", warnte Karamitsos, bedeute aber nicht, diese Techniken auch entsprechend "merkwürdig" auszuführen. Also im wesentlichen mit der falschen Körperhaltung. Nein – alles kommt aus der Mitte, soll sich natürlich anfühlen und mit Kraft und Kontrolle ausgeführt werden. Das galt natürlich auch für die Heian Yondan, die er mit der Mittelstufe trainierte.

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Angriff und Verteidigung - die zwei Rollen des Karates

Die zweite Einheit der Oberstufe thematisierte das rasche Umschalten zwischen Angriff und Verteidigung – den "zwei Rollen des Karates". Karamitsos übte das mit einem etwas erweiterten Kaeshi-Ippon-Kumite. Zwei Angriffe, eine Verteidigung und dann wieder zwei Angriffe: Diese Veränderung des üblichen Kaeshis sorgte natürlich für eine stärkere Dynamik beim Angriff – womit dann eben auch das Umschalten in die Rückwärtsbewegung erschwert wurde. Vielleicht am deutlichsten wurde das beim Angriff mit Kizami-Zuki. "Der Körper folgt auch hier dem Arm", mahnte Karamitsos. Also deutliches Vorgehen beim Kizami und ebenso deutliches Zurückziehen des ausführenden Armes. Anhand der Jion wurden diese Aspekte des Kumite-Trainings abschließend dann noch vertieft. 

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Karate – das heißt verbinden. Seien es Trainingselemente wie Kihon, Kata und Kumite, seien es einzelne Bewegungen zu einem harmonischen Geamtbild. "Der Anfänger", sagte Karamitsos, "verbindet Hüfte und Arme noch nicht. Der Fortgeschrittene muss das natürlich beherrschen." Wir werden es versuchen – indem wir versuchen, dieses großartige Training mit dem Bundestrainer mit unserem Training im heimischen Dojo zu verbinden. 

 

Gerald Wagner