Technik und Koordination: Ein Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi beim SKB

Samad_2018.jpgBereits zum zwölften Mal veranstaltete der SKB am Pfingstwochenende einen Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi (6. Dan) aus Hamburg. Der zweimalige Kumite-Vizeweltmeister schloss seinen Besuch in Berlin mit einer Dan-Prüfung ab, bei der er gemeinsam mit Joachim Grupp (7. Dan) dreizehn Prüflingen zur bestandenen Prüfung gratulieren konnte. 

Jeder, der Karate trainiert, muss irgendwann feststellen, dass andere es besser können. Andere sind schneller, dynamischer, haben mehr Kondition, Kime oder einfach Mut. Die Techniken von anderen sind besser, die können höher treten, beherrschen mehr Variationen und sind uns im Kampf immer einen Schritt voraus. Man könnte auch sagen: Das, was ich kann, könnte immer noch besser sein. Man hat wohl nie das Gefühl, es nicht noch besser zu können. Gut, das muss man akzeptieren. Das führt aber auch zur Einsicht, dass mein Können eben seine Grenzen hat. Für uns bedeutet das: Wir sollten vor allem wissen, was wir können. Wo unsere Grenzen sind, aber eben auch, worauf wir uns verlassen können. Richtig trainieren heißt, sich selbst zu kennen. Was hab ich drauf, auf was kann ich vertrauen? Und man sollte vor einem Kampf oder auch einem Prüfungs-Kumite den Eindruck erwecken, dass man daraus auch das nötige Selbstvertrauen gewinnt, einen Kampf zu bestehen. Aber kann man das trainieren?

Kann man. Samad Azadi machte es vor. Das Stichwort war einmal mehr Variation. Man muss schon verschiedene Kampfsituationen durchspielen, um zu erkennen, was man am besten einsetzt – direkter Konter, Ausweichen, Block und Konter? Variation heißt häufiger Partnerwechsel, verschiedene Distanzen, Steigerung der Intensität und damit insgesamt eine Erhöhung des Drucks, insbesondere was das schnelle und flexible Reagieren auf Veränderungen der konkreten Situation betrifft. 

Darum kann man auch mal einen Yama-Zuki trainieren, auch ohne Bassai-Dai. Locker schwingend von der Seite – wenn man das mit dem entsprechenden Hüft-und Schultereinsatz macht, ist das eine wuchtige Technik für den Ernstfall. Aber ungewohnt, besonders für uns Shotokan-Karateka, die ja eigentlich immer nur gerade Linien üben. Schon ist der Körper durch diese kleine Variation der Technik irritiert und überrascht. Das führt dann am Ende natürlich wieder zurück zum direkten Zuki, der aber, so das Ziel dieses Trainings, durch die "Abschweifung" davor noch ein wenig sicherer und verlässlicher geworden ist. Was dann wieder helfen sollte, das Vertrauen in diese Technik zu stärken. 

Zunächst aber muss man die Trainingseinheiten bei Samad schaffen. Das war früher "etwas" anstrengender als heute. Stand damals deutlich die Kondition im Zentrum von Samads Training, sind es heute eher die Technik-Variation und die mentalen Herausforderungen des erfolgreichen Bestehens im Kumite, auf die sich Samad konzentriert. Für uns Berliner ist es daher immer wieder überraschend, was uns Samad wohl im nächsten Jahr mitbringen wird. Wir freuen uns schon darauf!

Gerald Wagner

Pressereferent BKV