Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi, 5. Dan beim SKB

Azadi_Titel.jpgInzwischen schon eine Tradition: Zum sechsten Mal hat Samad Azadi, 5. Dan Shotokan und früherer Vize-Weltmeister im Kumite, beim Shotokan Karate Berlin (SKB) in Berlin einen Lehrgang gegeben. Die Teilnehmer bekamen wie immer höchst lehrreiche und herausfordernde Trainingseinheiten geboten. Darum gleich vormerken: Im kommenden Jahr wird Samad einer der Trainer beim Jubiläumslehrgang zum 25-jährigen Bestehen des SKBs sein.

Karate ist eine sehr schnelle Sportart geworden. Man muss nur einmal einen Kumite-Wettkampf gesehen haben, um zu erkennen, wie dynamisch heute gekämpft wird. Ob Angriff oder Block, Aktion oder Reaktion - der Schnellere gewinnt nicht immer, hat aber immer einen Vorteil gegenüber dem Langsameren. Und das gilt natürlich nicht nur für den Wettkampf: Auch in der Selbstverteidigung kann das rasche Reagieren, das sofortige Erfassen einer gefährlichen Situation und des besten Auswegs aus ihr den entscheidenden Unterschied machen. Also - der Kopf muss mitmachen. Und dennoch trainieren wir das zu wenig, sagte Samad Azadi zu Beginn seines Lehrgangs. Timing, Reagieren, Umschalten - das sind Vorgänge, die eigentlich vor der Technik und ihrer korrekten Ausführung geschehen. Man könnte auch fragen, was eine perfekte Technik nützt, die zu spät kommt? Aber wie trainiert man, nicht zu spät zu kommen?

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Das muss man gar nicht karatespezifisch machen. Reaktions-Spiele sind ein direkter und vor allem lockerer Zugang. Der auslösende Reiz kann alles Mögliche sein - Antippen von hinten, ein Zuruf, oder auch ein Faustschützer. Da muss ja nicht immer gleich eine Faust drinstecken, wenn der auf einen zufliegt. Das wäre gleich wieder ein Stressmoment, und schon fehlt das freie, lockere und nur damit: schnelle Reagieren. Also warum nicht einen Faustschützer einfach mal nur fangen, oder ihm ausweichen? Das macht einfach Spaß, und Spaß befreit von Blockierungen von Körper und Kopf, und nur ein freier Kopf kann schnell reagieren. Klingt ganz einfach - aber vielleicht muss man auch die Souveränität eines so erfahrenen Trainers wie Samad haben, um solche einfachen Zugänge zu schwierigen Problemen zu finden. 

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Natürlich war das auch nicht alles (es wurde dann doch noch stressig). Variation - eines der Lieblingsthemen von Samad - wurde intensiv in den verschiedensten Situationen mit dem Partner trainiert. Variation des Reagierens auf einen Angriff durch seitliches Ausweichen mit Schritt oder Sabaki, Variationen des Konters durch Distanzwechsel mit Ushiro-Geri, oder auch Variationen des "erlaubten" Reagierens auf einen Angriff: Mal durfte man nur Blocken - aber mit dem Rücken zur Wand. Dann Blocken im Rückwärtsgang, aber ohne Konter-Erlaubnis, dann schließlich mit der Chance zum direkten Kontern. 

Lehrgänge bei Samad Azadi sind nichts für Leute, die sich ungern überraschen lassen. Bei Samad muss man wach sein. Kaum hat man sich ein wenig an etwas gewöhnt, lässt er es schon wieder anders machen. Und dauernde Partnerwechsel sind selbstverständlich. Was er damit erreicht? Ein Maximum an Realismus. Karatetraining bei Samad ist das Gegenteil von Routine. Für ihn gilt: Wer eine Technik einmal gelernt hat, sollte das Training ihrer Anwendung so viel wie möglich variieren. Nur so kann man vielleicht einmal auf alles vorbereitet sein, was im Training, Wettkampf oder ganz einfach im Leben auf einen zukommt.

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Im Anschluss an den zweitätigen Lehrgang fand am Sonntag noch eine Shotokan-Danprüfung statt. Die Prüfung wurde von Samad Azadi und Joachim Grupp (6. Dan) aus Berlin durchgeführt. Insgesamt sieben Prüflinge bestanden die Danprüfung. Unter den Prüflingen waren Hamburger, Leipziger und Berliner Karateka. Die Prüfung zum Schwarzgurt haben bestanden zum 1. Dan: Sebastian Apenbrink, Raniah Salloum, Rica Bammesberger und Thomas Zeischold. Zum 2. Dan: Gerald Wagner und Marvin Meyer-Kahlen. Zum 3. Dan Gerold Scherner. Herzlichen Glückwunsch an alle Prüflinge!