Shotokan-Kata in Vollendung: Ein neues Buch von Joachim Grupp

SKK2_Cover_neu.jpgJoachim Grupp hat die zweite Auflage seines erfolgreichen Kata-Buches herausgebracht. Wer sich intensiv mit Ablauf und Bunkai der höheren Meister-Katas des Shotokan auseinandersetzen möchte, findet in diesem Buch alles was er braucht. 

Noch ein Kata-Buch? Und nicht mal ein Video dabei? Das klingt hoffnungslos altmodisch – gibt’s doch alles auf Youtube ... Also: Wozu noch ein neues Kata-Buch?

Wer heute ein Werk veröffentlicht, das auf 200 Seiten viele Hundert Fotos der höheren Shotokan-Katas zeigt, muss sich solche Fragen gefallen lassen. Auch wenn es sich bei "Shotokan Karate KATA 2" nur um die zweite überarbeitete Neuauflage eines Buches handelt, das sein Berliner Autor Joachim Grupp, 5. Dan Shotokan, bereits 2003 veröffentlichte. Da gibt es zum einen die gedruckte Konkurrenz – Fiore Tartaglias vier Bände genauso wie der Klassiker von Albrecht Pflüger über alle 27 Shotokan Katas. Und Kata-Bundestrainer Efthimios Karamitsos zeigt auf seinen DVDs nicht nur alle diese Katas in perfekter Form, sondern zum Teil auch noch ausführlichste Studien zum Bunkai. Und dann gibt es etwa auf Youtube inzwischen Filme zu jeder Kata aus allen Epochen des modernen Karates, also sozusagen von Funakoshi Gishin bis Luca Valdesi. Und jetzt also dieses neue Buch von Grupp – was macht es anders, nützlicher, besser?

Natürlich ist dieses Buch – wie alle Karate-Bücher – keine Konkurrenz zu Film, DVD und Video. Videos enthalten keine Begriffe und keine Erklärungen. Man kann manche Pose einfrieren oder sich eine besonders schwierige Passage in Zeitlupe wieder und wieder anschauen. Aber zumindest für die höheren Katas ab dem 1. Dan sollte man auch wissen, was man macht und wie das heißt, was man da macht. Also: Mal ins Buch schauen! Aber in welches?

Der größte Unterschied der Darstellungsform bei Joachim Grupp: Er setzt, wie bereits im ersten Band seiner beiden Kata Bücher, auch bei Kata 2 auf Fotos, und nicht wie Pflüger oder Tartaglia auf Zeichnungen. Bei Grupp wird jede Kata in Einzelaufnahmen aufgelöst – die kurze Wankan in 37, die lange Gojushiho Sho in 87. Meistens sind es die Endstellungen einer bestimmten Passage oder einzelnen Technik, aber es gibt auch Aufnahmen von Sprüngen, Ausholbewegungen und Übergängen. Gelegentlich hilft ein Pfeil beim Verständnis einer Bewegungsrichtung. Ergänzt und vervollständigt werden die Bilder mit detaillierten Angaben zum Ablauf der Kata, dem Embusen und Bunkai-Variationen, die die charakteristischen Techniken der Kata in Anwendung am Partner zeigen. Die Fotos haben etwa Passbildgröße, das reicht, um alle relevanten Informationen zum Stand, Fußstellung, Hüftposition, Armhaltung, Blickrichtung etc. darzustellen. Zu Stellungen und wiederkehrenden Techniken des Shotokan gibt es außerdem noch zum Teil ganzseitige Bilder. Kapitel zur Geschichte der Kata, Anhänge und ein Glossar runden das Buch ab. 

Indem sich Grupp mit seinen Fotos auf die Endpunkte der Bewegungen konzentriert, macht er auch eine Aussage: Eine Kata ist eine Folge von Bewegungen, was diese aber verbindet sind abzuschließende Techniken, also eher Momente von Körperspannung, Konzentration und eben Kime! Die müssen sich einprägen, nach innen sozusagen ins Körpergedächtnis des Übenden, nach außen dem Zuschauer. Dazu muss man die Kata natürlich hervorragend beherrschen. Grupp und die Mitwirkenden des Buches können das. Sie sind alle hohe Dan-Träger (einige sind Schüler Grupps) und auch erfahrene Kata-Wettkämpfer, zum Teil mit Erfolgen auf großer internationaler Bühne. Da stimmt dann einfach alles, bis in die Fingerspitzen sozusagen. Diese Bilder sagen: So muss das aussehen!

Dahinter stecken sicherlich viele Stunden Arbeit im Fotostudio. Mit dieser Präzision kann das auch kein Video, und die Zeichnungen der anderen Kata-Bücher natürlich schon gar nicht. Sicher ist das Bunkai bei Tartaglia ausführlicher, und den Pflüger kann man immer mal rasch zur Hand nehmen, wenn man irgendein Detail vergessen hat. Allerdings fällt die Orientierung in Pflügers labyrinthischen Abläufen manchmal ziemlich schwer, während man bei Tartaglia dann eben auch gleich vier Bände kaufen muss, um alle Katas zu haben. Grupps Buch liegt dazwischen, es vertieft, wo es zum Verständnis einer hohen Kata nötig ist, ohne dabei vorzutäuschen, es wäre damit alles zu jeder Kata gesagt. Das ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich, und darum beherrscht man eine Kata nie perfekt. Man ist, wie Joachim Grupp schreibt, immer nur auf dem Weg dahin. Auf diesem Weg ist sein Buch ein ausgezeichneter Begleiter, dem viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind.

Shotokan Karate Kata 2

Joachim Grupp

Meyer & Meyer Verlag

Aachen, März 2012

Das Buch enthält insgesamt 13 Katas mit Bunkai: Nijushiho, Bassai-Sho, Gojushiho-Sho, Gojushiho-Dai, Meikyo, Sochin, Jitte, Kanku-Sho, Gankaku, Chinte, Unsu, Wankan, Ji'in

210 Seiten, über 800 Fotos