Shotokan-Prüferlehrgang des BKV

Wer glaubt, Prüfungen im Karate seien nur für die Geprüften anstrengend, der irrt. Eine Prüfung ist immer für beide Seiten eine Herausforderung – und auch Prüfen will gelernt sein. Darum müssen Prüfer-Lizenzen immer wieder erneuert werden, und auch ein Prüfer muss sich regelmäßig prüfen lassen. Am vergangenen Wochenende stellten sich deshalb 19 Prüferinnen und Prüfer des Shotokan dieser Aufgabe.

lehrgang_klein.jpgUnter Leitung von Stilrichtungs-Referent Frank Asner fand man sich dazu wieder im Dojo Takuan des ACB in Hellersdorf ein, dessen Karateka dem Lehrgang gewissermaßen als "Übungsmaterial" dienten. 39 junge und etwas ältere Prüflinge traten an, um sich zunächst am Samstag und dann nochmal am Sonntagmorgen gemeinsam mit den Lehrgangsteilnehmern auf die Prüfung vorzubereiten.

Zunächst jedoch fand zum Auftakt des Lehrgangs ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch der Prüfer statt. Ob "Novize" oder altgedienter B und A-Prüfer – hier konnte jeder seine Gedanken zu allen Aspekten des Prüfens loswerden: "Es gibt keine dummen Fragen", stellte Frank Asner klar. Aber jedenfalls gibt es Fragen, die immer wieder gestellt werden. Kann man, sollte man auch mal jemanden durchfallen lassen? Wie geht man mit Anerkennungen von Graduierungen anderer Verbände um? Und wie wird man Prüflingen gerecht, die andere körperliche Voraussetzungen mitbringen, also etwa Ältere oder Behinderte?

Zu letzterem Thema gab es einen sehr interessanten Vortrag von Heiko Kuppi, der beim ACB eine Trainingsgruppe mit Behinderten betreut und außerdem auch BKV-Referent für den Behindertensport ist. Heikos Erfahrungen mit Karate für behinderte Menschen zeigten, wie wenig der Sammelbegriff "Behindertensport" dem Einzelnen gerecht wird. Es gibt Kinder mit Downs-Syndrom, es gibt austistische Menschen und es gibt Blinde oder Gehörlose. Sie alle kommen mit ganz unterschiedlichen geistigen und körperlichen Voraussetzungen zum Karate. Für den Trainer oder die Trainerin stellen sie höchste Ansprüche an deren Fähigkeit, ein Grundprinzip der Trainingslehre – die Differenzierung – zur Geltung zu bringen. Für eine Prüfung mit diesen Sportlern gilt dies natürlich noch umso mehr. Wer aber ihre Leistungen am Sonntag bei der Prüfung verfolgte, konnte miterleben, dass sie genauso leistungsfähig und motiviert sind wie Nichtbehinderte. Und auch genauso stolz darauf, eine sportliche Herausforderung bewältigt zu haben.

Insgesamt verliefen die Kyu-Prüfungen zu großer Zufriedenheit der Prüferinnen und Prüfer. Man konnte sehen, dass das beste Mittel gegen Prüfungsstress eben doch eine entsprechend gute Vorbereitung ist. Dann kann man seine Leistungen auch vor völlig fremden Prüfern selbstbewusst und konzentriert rüberbringen. Dafür gehört vor allem den Kindern unter den Prüflingen größter Respekt. Man kann Frank Asner auch darum nur zustimmen, wenn er alle Prüferinnen und Prüfer in den Berliner Karate-Vereinen auffordert, mehr von solchen Lehrgängen Gebrauch zu machen. Es spricht natürlich nichts gegen Prüfungen im eigenen Verein, aber die Teilnahme an einer solchen Prüfung außerhalb des gewohnten Umfelds lohnt sich immer – für die Prüflinge genauso wie die Trainerinnen und Trainer. Man kann vergleichen, man sieht den Leistungsstand anderer Vereine, gerade solcher wie etwa des ACB oder DOKAN, die mit ihren Erfolgen im Wettkampfsport seit Jahren in Berlin maßgeblich sind.

Am Samstag fand im Rahmen des Lehrgangs auch eine DAN-Prüfung statt. Acht Prüflinge stellten sich dem kritischen Blick der Shotokan-A-Prüfer Frank Asner und Bernd Hartlieb (beide 5. Dan). Alle bestanden mit guten und zum Teil sehr guten Prüfungsleistungen, resümierte Frank Asner. Ihnen und allen Kyu-Prüflingen herzliche Glückwünsche! Wir danken insbesondere auch BKV-Präsidentin Kathrin Brachwitz und ihrem Team vom ACB, die wieder einmal einen perfekten Rahmen für diesen Lehrgang boten.

 

Gerald Wagner, Pressereferent BKV