Probleme und Lösungen im Kumite und Kata: Ein Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi und Christian Esni

15.jpgFür jedes Problem im Karate gibt es auch eine Lösung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darum in der Variation. Das gilt im Kumite genauso wie in der Kata. Samad Azadi (5. Dan) und Christian Esni (4. Dan), beide langjährige und erfolgreiche Mitglieder des deutschen Nationalkaders, zeigten bei ihrem gemeinsamen Lehrgang beim SKB, wie man dieses Prinzip im Training umsetzt. 

Bereits zum zweiten Mal kamen Samad und Christian an Pfingsten zu diesem gemeinsamen Lehrgang in die Flatow-Sporthalle nach Berlin. Ihre abwechselnden Kumite- und Kata-Einheiten waren wie immer eine besondere Herausforderung für den Körper und den Kopf. Beide sind Karateka, die in ihrem Training große Leistungsbereitschaft erwarten. Die Aufgaben sind komplex, die konditionellen Anforderungen hoch. Der schnelle Wechsel von Kumite zu Kata und zurück tat sein Übriges. Aber gerade dabei merkte man, dass beide Trainer einen sehr ähnlichen Ansatz haben: Sie identifizieren typische Probleme in ihren jeweiligen Disziplinen, und bieten Trainingsaufgaben an, um diese Probleme zu lösen.

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Bei Samad begann das zunächst mit Reaktionsübungen. Visuelle Impulse mussten mit zugehörigen Angriffs-Aktionen beantwortet werden. Klingt leicht, aber nicht, wenn man das wie Samad immer mehr steigert. Die Komplexität der Aufgaben und natürlich auch das Tempo nahmen stetig zu: Mehr Techniken, die Variation der Angriffsrichtung, sowie das Hinzufügen von Kontern steigerten die Schwierigkeit der Aufgaben. Aus einem wurden mehrere Partner, die dann auch noch ihre Auslagen variierten. Konzentrationstraining bei Maximalbelastung. Die Halle dampfte. 

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Dann Kata. Christian hatte zunächst die Unterstufe an die Heian Sandan herangeführt, was er am Nachmittag mit dem Bunkai ergänzte. Hier ging es vor allem um die Anwendung doppelter Blöcke, von denen es in der Sandan ja einige gibt. Die Oberstufe tranierte die Sochin. Auch dabei ging es um ein typisches Problem – die falsche Gewichtsverlagerung beim Sochin Dachi. Häufig schleicht sich hier auch bei erfahrenen Karateka der Fehler ein, dass beim Sochin Dachi der Körperschwerpunkt nach hinten wandert. Er soll aber wie beim Zenkutsu Dachi vorne bleiben. Die wuchtigen Angriffe  der Sochin verlangen das auch – wird das Gewicht dabei nicht nach vorne gebracht, bleiben die prägenden Techniken der Sochin wirkungslos. Also Variation: Hohe Stellungen, sozusagen ganz bewusst falsche Stellungen (das Gewicht ganz hinten) und schließlich noch Stress durch einen korrigierenden Partner, der einem den Körper ordentlich "verwringen" sollte. Hier also mit Christian Kraftausdauer-Training, dann wieder zurück zum Kumite als Konditionstraining. 

Die Nachmittagseinheiten von Samad vertieften die Angriffsarten vom Vormittag. Jetzt ging es darum, sie auf ihre typischen Probleme zu untersuchen. Ich mache alles richtig, und der Gegner steht doch irgendwie ungünstig. Also – Variation, z.B. durch Änderungen an der Angriffsrichtung durch einen Seitstep. Wieder umdenken. Die letzte Steigerungsform war dann der sogenannte "Hamburger Zirkel" – eine bei Samad offensichtlich sehr beliebte Form des "Ring-Kampfes": Alle Teilnehmer stellen sich kreisförmig auf, wobei es einen inneren und einen äußeren Ring gibt. Erst müssen dann die im inneren Kreis einmal ganz herum an jedem Gegenüber die Angriffe ausführen, dann ist der äußere Kreis dran. Mehr Variation geht eigentlich nicht. 

Und dann noch mal Kata – das Bunkai zur Sochin. Jetzt zeigte sich mit Christians offensiver Auslegung vieler Blocktechniken dieser Kata, warum er so einen großen Wert auf die korrekte Stellung legte. Die tiefen Stände verlangten den eigentlich schon ziemlich ausgepowerten Beinen noch einmal alles ab. Dann war es geschafft – außer für die Kyu-Prüflinge, die noch einmal ran durften. 

Der Lehrgang mit unseren beiden Freunden Samad und Christian bewies einmal mehr die tiefe Gemeinsamkeit von Kumite und Kata im Shotokan. Im Verein sollte man entsprechend ausgewogen trainieren. Wir tun das, und freuen uns auf kommendes Jahr wieder mit diesen beiden großartigen Trainern. 

Gerald Wagner, Pressereferent BKV