Karate und Selbstverteidigung: "Starke Netze gegen Gewalt"

sv.jpgIm November 2014 veröffentlichten wir anlässlich der Preisverleihung "Starke Netze gegen Gewalt " einen Text über drei Vereine, die langfristig und qualifiziert in Netzwerken Angebote für Frauen geschaffen haben, in denen diese lernen können, sich gegen Gewalt zu wehren. Zu Silvester wurde wieder überdeutlich, dass dieses Thema an Aktualität nichts verloren hat. Auch eine ganze Reihe Berliner Karatevereine bieten immer wieder Kurse und Trainingsmöglichkeiten zur Selbstverteidigung an - schon am 16. Januar findet bei DOKAN Berlin ein Kurs in Deeskalation und Verteidigung statt.

Zum Beispiel Shirokuma: Seit Jahren bietet dieser Verein Kurse in Selbstverteidigung und Deeskalation an. Der nächste Kurs findet dort am 27. und 28. Februar statt. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Initiative des Brandenburger Vereins Sho Dan Sha Kai, welcher im Netzwerk mit mehreren Kampfsportvereinen und anderen Institutionen verschiedene Aktionen durchgeführt hat, um das Thema der Gewalt gegen Frauen zu enttabuisieren und in die Öffentlichkeit zu bringen. Es zeigt sich, dass immer noch zuwenig Gewaltausbrüche gegen Frauen zur Anzeige gebracht werden. Dabei spielen offenbar einerseits Scham, aber auch das Gefühl eine Rolle, dass keine wirkliche Hilfe zu bekommen ist.

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In Brandenburg gab es u.a. ein Angebot, welches sich in verschiedenen Workshops mit den rechtlichen Aspekten von Notwehr auseinandersetzte, mit der Problematik von Lehrerinnen, die sich mit gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen konfrontiert sehen, wie man mit der eigenen Angst umgehen kann und es gab ein Rollentraining für Ehrenamtliche.

Im ersten Augenblick denkt man häufig, dass man selbst noch keine direkte Gewalterfahrung gemacht hat, beim genaueren Überlegen fallen einem dann doch allerhand Beispiele ein. Als ich im Nachklang der Veranstaltung diverse Frauen auf ihre Erfahrungen mit Gewalt und sexuellen Übergriffen ansprach, gelangte ich schließlich zu dem Eindruck, dass jede mit einem entsprechenden "Erfahrungsschatz" aufwarten kann.

Da gibt es Situationen in der Öffentlichkeit, z. B. im Bus oder anderen Menschenmengen, in der sich Mädchen mit Übergriffen von Männern konfrontiert sehen, die sie zunächst nicht richtig realisieren konnten. Natürlich kennt man auch genügend Fälle von Frauen, die von ihren Männern regelmäßig geschlagen werden. Von Vergewaltigungen, die nicht zur Anzeige kamen, wissen ebenfalls einige zu berichten, von Situationen bei Ärzten, am Arbeitsplatz, auf Reisen und und und. Mädchen, die vielleicht Verbote ihrer Eltern übertreten haben, berichten aus Angst vor Strafe eben nicht über Erfahrungen, die sie auf ihren Abwegen machen mussten. Ein Punkt, an dem für Eltern sicher Lernbedarf besteht.

Also, insgesamt hat die Veranstaltung dazu angeregt, die Möglichkeiten unseres Verbandes zu überdenken, an einer oder der anderen Stelle einzuhaken, Bewusstsein für Grenzverletzungen zu schaffen und vielleicht ähnliche Aktionstage ins Leben zu rufen. Ein Anliegen der Ministerin war es, die Telefonnummer des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen 08000 - 116 016 noch mehr der  Öffentlichkeit nahe zu bringen, welchem wir an dieser Stelle gerne nachkommen.

Brigitte Benjes