Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag - Abteilung Karate

2013_Gruppe_-_Kopf.jpgDer Bundestag ist für alle zugänglich – wenn man den Eingang findet ... Nach einem Orientierungslauf an der Spree hatte ich endlich die Sportanlage des Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gefunden. Mit der Anmeldung beim Pförtner und der Sicherheitskontrolle ging es aber nicht in die Lüfte, sondern in den Keller. Das Training findet in einer offenen, großzügig wirkenden Halle statt mit geschmackvoller Holztäfelung, die dem Betonbau die Kälte nimmt. Der Hallenboden ist bestens gepflegt und hochglänzend. Durch Oberlichter gelangt Tageslicht herein, die Trainierenden gucken auf den Reichstag, und Touristen gucken zurück.

Ich traf die Gruppe unter der Leitung von Marlis Gebbing beim klassischen Aufwärmen mit Kräftigung, Dehn- und Koordinationsübungen und Gleichgewichtstraining an. Marlis gibt ihre Anweisungen ruhig und gelassen. Sie illustriert sie mit den wunderbar präzisen Techniken einer Deutschen Meisterin und geht auf alle Teilnehmenden der Gruppe individuell ein. Es gibt für alle Graduierungen ein gemeinsames Training, wobei nach Bedarf die Gruppen zeitweise aufgeteilt werden und besondere Aufgaben bekommen.

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Training mit Politikern: Handys ausnahmsweise erlaubt ...

Marlis versteht ihr Training als Ü30-Angebot, bei dem Gesundheitsaspekte und natürlich die Liebe zum Karate im Vordergrund stehen - nach dem Motto: „Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers.“ Obwohl Marlis im Gi den Inbegriff der Dojo-Etikette darstellt, ist sie hier sehr großzügig in Sachen Pünktlichkeit und – ich fasse es nicht - beim Gebrauch von Handys. Im Umfeld des politischen Berlins sind die Arbeitszeiten unregelmäßig, und im Bereitschaftsdienst ist es notwendig, sofort erreichbar zu sein. Das wird beim Training berücksichtigt.

Marlis ist überzeugt, dass es besser ist, nur eine Stunde zu trainieren als gar nicht. Am Ende des Trainings gibt sie einige Dojo-Regeln mit auf den Weg, was ich so noch nie erlebt habe und sehr anregend fand. Eine Regel wie „Vermeide Gewalt“ kann man sich nicht oft genug vor Ohren führen, da Gewalt in vielen Formen auftritt.

Vermeide Gewalt

Marlis wurde 1959 geboren, studierte Anglistik, Philosophie und Allgemeine Sprachwissenschaften und arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem Abgeordneten. Sie zeigt Karate von der engagierten Seite. Ihre Karatelaufbahn begann sie 1979 und betrieb diesen Sport so erfolgreich und intensiv, dass sie mehrfache Deutsche Meisterin in Kata wurde und mit dem 5. DAN zu Berlins höchsten DAN-Trägerinnen zählt. Seit 2000 ist sie Frauenreferentin im Deutschen Karate Verband. Ist es ein Scherz der Geschichte, dass Marlis, getaufte Maria-Elisabeth, im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus Training gibt? Die war Frauenrechtlerin und Politikerin, also ein passender Ort für unsere DKV-Frauenreferentin, die 2008 mit dem Gleichstellungspreis des DOSB ausgezeichnet wurde.

Ihre ersten Karateschritte ging Marlis im Uni-Dojo Bonn. Heute trainiert sie bei Shirokuma Berlin und ist Stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Als sie 2010 die Karateabteilung im Bundestag übernahm, musste sie die Gruppe fast neu wieder aufbauen. Sie ist „klein, aber fein“, und inzwischen wurden die ersten Gelbgurtprüfungen erfolgreich bestanden. Ein großer Vorteil ist, dass das ganze Jahr über trainiert werden kann. Wenn Marlis verhindert ist, vertritt Michael sie und lernt  auf diese Weise zunehmend etwas über den didaktischen Aufbau eines sinnvollen Trainings.

Wer im Herzen Berlins an exponierter Stelle zusammen mit netten und aufgeschlossenen Menschen Karate kennen lernen möchte und etwas für Körpergefühl und Körperwahrnehmung tun will, ist in dieser Gruppe bestens aufgehoben. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.sport-im-bundestag.de, Auch wer nicht im Bundestag oder den Ministerien beschäftigt ist, kann Mitglied der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag werden. Die Gruppe trainiert einmal wöchentlich. Und das anschließende Zusammensitzen an einem Frühsommerabend an der Spree hat auch seinen Reiz.

Brigitte Benjes