Neues aus den Vereinen: Ein Besuch beim Shotokan Karate Berlin

2013-04-11_19.59.49.jpgVor fünf Jahren besuchte unsere Geschäftsstellenleiterin Brigitte Benjes die Vereine des BKV. Jetzt war es mal wieder an der Zeit, sich die Berliner Karate-Vereine erneut anzuschauen, da sich inzwischen vieles verändert hat. Brigittes erster Besuch galt dem Shotokan Karate Berlin e.V. (SKB). Dort ist einiges neu -  der Trainingsort ist ein anderer und Vereinschef Joachim Grupp hat vor kurzem die Prüfung zum 6. DAN bestanden.

Außer Atem vom Zuschauen allein war ich beim Aufwärmtraining der Oberstufe. Joachim Grupp  lässt seine Leute direkt mit lockeren Partnerübungen beginnen, nur unterbrochen von Stretching Phasen. Da gibt es keinen langen Umweg über Laufen, Spielen, Turnen. Von der ersten Minute an sieht man, wie tolles Shotokan-Karate aussehen kann: schnell, dynamisch und präzise.

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Nach etwa fünf Jahren schien es wieder an der Zeit zu sein, sich die Berliner Karate Vereine erneut anzuschauen, da sich inzwischen vieles verändert hat.
So auch beim SKB: der Trainingsort ist ein anderer und Joachim Grupp hat vor kurzem die Prüfung zum 6. DAN bestanden.

Die Bedingungen in der alten Halle in der Ohlauer Str. wurden im Laufe der Zeit für den Verein untragbar. Nachdem die Halle keine Schulsporthalle mehr war, gab es keinen Hausmeister mehr, der sich darum gekümmert hätte. Die Folge waren Diebstähle, Vandalismus und Vorfälle, die größere Polizeieinsätze notwendig machten. Man hätte das als Realitätstest fürs Karate betrachten können,was jedoch nicht dem Verständnis der Vereinsmitglieder entsprach. Joe intervenierte häufig beim Bezirksamt und schließlich wurden dem Verein zwei Räume im alten Schwimmbad in der Baerwaldstr. angeboten. Einer davon steht dem SKB fast jeden Abend zur Verfügung und da der Betonboden für das Karatetraining nicht geeignet ist, startete Joachim einen Spendenaufruf im Verein, der nach 14 Tagen das Geld einbrachte, welches notwendig ist, um ca. 180 qm mit Matten auszulegen.

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Noch eine Anmerkung zur alten Halle: Ein Leichtathletik-Großverein mit den entsprechenden finanziellen Mitteln hat sie komplett übernommen, renoviert, Eingänge und Fenster gesichert und kommt auch für den laufenden Unterhalt auf. So ist auch dieser Platz nicht komplett für den Berliner Sportbetrieb verloren.

Der Hallenwechsel nach fast 23 Jahren wurde vom Verein gut verkraftet, nur ein Vereinsmitglied kündigte wegen der größeren Entfernung der Trainingsstätte. Gegen solche kleinen Hindernisse sind die meisten Vereinsmitglieder resistent. Joe selbst wohnt in Steglitz, arbeitet in Weißensee und trainiert in Kreuzberg. Ein anderer Sportfreund arbeitet in Wolfsburg, pendelt also täglich, ein anderer verabschiedete sich nach Training und Zusammensitzen in der Kneipe mit dem Hinweis, dass er am nächsten Tag in Halle ein Seminar zu geben hätte. Woher diese Menschen die Energie nehmen ist mir persönlich ein Rätsel und ich stehe staunend mit Hochachtung davor.

Bei gleichbleibend hoher Mitgliederzahl bedauert Joachim doch eine gewisse Fluktuation im Verein, die eben entsteht, wenn die Notwendigkeit und Bereitschaft zur beruflichen Veränderung vorhanden ist. Joe möchte den Verein gerne etwas mehr im Kiez verankern. Ein erster Schritt wurde vielleicht schon am gleichen Abend gemacht als wir beim Verlassen des Lokals ein ehemaliges Vereinsmitglied trafen.
Die Motivation im SKB ist hoch. Joe befand das heutige Training wegen der Semesterferien als nicht so gut besucht, ich fand, dass ich mit den 28 Leuten ein ungeheuer schwungvolles, energiegeladenes Training sah. Auch außerhalb des Trainings gibt es offenbar immer Leute, die Joachim bei der Organisation zur Seite stehen und auch an Trainern innerhalb des Vereins besteht kein Mangel. Joachim hat offenbar überhaupt nicht das Gefühl, dass alles allein auf seinen Schultern lastet, sondern dass man sich aufeinander verlassen kann. Ein Ergebnis ist dann auch, dass er stolz berichten kann, dass  der Verein bei der letzten Berliner Meisterschaft auf Platz 3 der Vereinswertung stand.

Obwohl Joachim nicht die Ausstrahlung eines Menschen hat, der an einem Mangel von Selbstvertrauen leidet, fällt auf, wie er sich für andere begeistern kann. Auf seine DAN-Prüfung angesprochen gerät er regelrecht ins Schwärmen wenn er berichtet, dass Klaus Bitsch sein Partner in der Prüfung war und wie ihn das für seine eigene Leistung beflügelt hat, mit der er sehr zufrieden war. Klaus Bitsch stellt für Joe eine gelungene Mischung aus Perfektion und Energie dar und nicht nur im Kumite, wo er Bundestrainer ist.

Bei der Prüfung zum 6. DAN war Joe froh, im Gegensatz zu den vorherigen Prüfungen die Kata selbst wählen zu können. Er entschied sich für Sochin und Niju Shiho, die fest in sein Leben integriert sind.


Große Begeisterung auch, als ich nach den Lehrgängen mit S. Azadi frage, die regelmäßig beim SKB stattfinden. Joe hatte vor vielen Jahren die Gelegenheit, Azadi in allen Ausscheidungskämpfen bei einer Deutschen Meisterschaft aus geringer Distanz beobachten zu können und ist seitdem fasziniert von Azadis Kumite-Stil. Joe ist der Auffassung, dass sie beide das traditionelle Shotokan Karate auf unterschiedliche Art zeitgemäß interpretieren. Inzwischen sind beide freundschaftlich verbunden und man veranstaltet wechselweise Lehrgänge in Hamburg und Berlin.
Große Freude noch einmal, als das Gespräch auf Christian Esni kommt. Obwohl er seit Jahren dienstags in den Genuss des Esni-Trainings beim SKB kommt, ist Joe immer wieder überrascht, welche Schwerpunkte er bei den jeweiligen Kata setzt und toll herausarbeitet. Joe empfindet Christian in seiner didaktischen Herangehensweise perfekt durchdacht, gleichzeitig körperlich sehr präsent.

Fazit: Manches hat sich geändert, die Qualität des Shotokan Karate Berlin und der Vereinszusammenhalt sind geblieben.

Brigitte Benjes