Neues aus den Vereinen: Ein Besuch beim BGV Karate

IMG_0449.JPGGut, dass Gastwirte den nächsten Arbeitstag im Blick haben und das Lokal zu einem vertretbaren Zeitpunkt schließen!“, schrieb ich vor sieben Jahren, als ich den BGV Karate zum ersten Mal besuchte. Ich nahm mir also diesmal vor, nur ein Stündchen nach dem Training mit dem Trainer über den Verein zu sprechen.

Nun muss ich aber den Eingangssatz wiederholen. Will sagen: Es saß nach dem Training wieder eine Gruppe von Karateka beim Italiener bis geschlossen wurde und die Vereinsmitglieder sind noch genauso nett und vielseitig interessiert wie damals. Das hat sich nicht im Verein geändert – ein Anlass des aktuellen Vereinsbesuchs war aber, dass es einen neuen Vereinsvorsitzenden gibt. Die Mitglieder haben sich für Dennis Knebel entschieden, der zwar ein alter Vereinshase ist, sich aber noch als Student in der Ausbildung befindet.

Er hat sich also getraut, die Verantwortung für einen Verein zu übernehmen, der mit über 40 Jahren bereits auf eine lange Tradition zurückschauen kann. Erleichtert wird diese Aufgabe auch nicht durch die zunehmende Bürokratie, mit der sich die Vereinsführung auseinander zu setzen hat. Da er sich aber als jemanden beschreibt, der ohne Karate nicht leben möchte, fällt es ihm eventuell etwas leichter, sich auch um die Randaspekte des Karate zu kümmern.

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Mit gut sechs Jahren landete Dennis einem Freund folgend im BGV und blieb dort hängen. Nicht immer mit der gleichen großen Begeisterung, da es im Leben eines Heranwachsenden natürlich viele Dinge gibt, die interessanter erscheinen können als regelmäßig zum Sport in der Turnhalle zu stehen. Die Mutter verstand es offenbar, durch erzieherische Maßnahmen wie z.B. Bestechung, den nicht immer pflegeleichten Sprössling weiter für das Vereinsleben zu erhalten. Dafür ist Dennis seiner Mutter heute noch dankbar. Einmal, weil er offenbar dem Sport zuschreibt, dass sich seine Ecken und Kanten etwas geglättet haben und weil er dadurch die Möglichkeit erhielt, tiefer in die Materie des Karate einzusteigen.
Als Dennis vor einer Prüfung geraten wurde, zur Vertiefung seiner Kenntnisse das Erwachsenentraining zu besuchen, platzte der Knoten endgültig. Der Vierzehnjährige wusste nun, dass er noch nicht genug über Karate wusste, wollte diesen Zustand aber unbedingt ändern und verbrachte seine Freizeit nunmehr intensiv mit diesem Sport bzw. dieser Lebenshaltung.

Inzwischen ist Karate für Dennis zu einem wesentlichen Lebensinhalt geworden, den er keinesfalls missen möchte. Seine Trainertätigkeit hat er inzwischen dadurch vervollständigt, dass er die Trainer-C-Lizenz erworben hat. Sein Training beginnt mit Fußball, was er nicht ändern möchte und auch nicht dürfte. Die Gruppe, die sich nach dem Training zum Gespräch versammelt hat, besteht mit ziemlicher Vehemenz auf genau diese Form der Aufwärmphase.

Das Karatetraining bei Dennis, am heutigen Tag das Kumitetraining, verläuft sehr entspannt, worauf er besonderen Wert legt. Um das richtige Maß an Spannung und Entspannung zu schaffen, ist es wahrscheinlich notwendig, den Lernenden immer wieder die Entspannung nahe zu bringen, zumal die permanente Anspannung sehr unökonomisch für den Kräftehaushalt ist und die Bewegung verlangsamt. Zwischendurch rät er seinen Schülern, sich beim Freikampf anzulächeln. Eine gute Übung – wer lächelt, ist weniger verkrampft.

So hoffe ich, dass die neue Aufgabe im Verein für Dennis ebenfalls durch Lächeln begleitet wird und ihm die Vereinsarbeit auch außerhalb der Matte gut gelingt.

Brigitte Benjes