Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei Shito-Ryu-Karate Berlin

IMG_3817.JPGEs ist drin, was draufsteht. Wer sich den Internetauftritt von Shito-Ryu-Karate e.V. anschaut und dann das Training in der Rüdersdorfer Straße in Friedrichshain besucht, merkt, dass da Menschen eine sehr gesunde Selbsteinschätzung haben. Es trainieren Leute zusammen, denen man den Spaß an ihrem Training anmerkt und die sich gegenseitig etwas beibringen wollen.

Beim Erwachsenentraining sind die unterschiedlichsten Graduierungen vertreten und das Miteinander-Lernen wird deutlich, wenn man eine Trainingseinheit beobachtet. Natürlich kann man als Schüler dieses Vereins auch an Turnieren teilnehmen und sich im Wettkampf beweisen; der Hauptgedanke des Breitensports und der allgemeinen Fitness zeigt sich aber deutlich.

Den Initiatoren ist es wichtig, dass sich Mensch überhaupt bewegt und da stehen die ganz großen Finessen des Karate nicht so im Vordergrund. Da in diesem Verein aber auch je nach Herkunft der Trainer verschiedene Stilrichtungen des Karate gelehrt werden, ist wiederum ein gewisses Spektrum abgedeckt.

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Das Kindertraining des Vereins findet in der Gürtelstraße in einer schönen Sportanlage statt, die wie eine Oase im urbanen Leben von Friedrichshain wirkt. Der positive Eindruck setzt sich fort, wenn man dem Training zuschaut. Da sind welche beisammen, die Lust an der Bewegung haben. Dem gibt Marco, der Trainer zunächst Raum, indem er ein Rollballspiel spielen lässt, welches natürlich als Ziel das Treffen eines Tores hat und von Liegestützen begleitet wird. Später bei der Grundschule wird es etwas ruhiger und konzentrierter. Es zeigt sich, dass hier Grundschule nicht nur im Sinne von Karate zu denken ist, die Unterscheidung zwischen rechts und links will gelernt sein, hinzu kommen die japanischen Begriffe für die Techniken. Das alles fällt noch sehr unterschiedlich aus und das muss auch so sein. Dafür lernt man.

Viele Schnelligkeits- und Geschicklichkeitsspiele folgen. Eine „primitive“ Übung wie das mehrfache Antippen eines Partners, worauf eine entsprechende Karatetechnik auf der richtigen Seite erfolgen soll, sorgt für einige Verwirrung und das eben bei Kindern, die sportlich unterwegs sind. Man ahnt, was passieren würde, wenn sich Kinder nicht bewegen und nie Gelegenheit erhalten, ihre Koordination auszuprobieren. Viele der einfachen Übungen lassen sich weiter zu Hause üben, ohne dass die Wohnung und die Nachbarn Kopf stehen müssten – ein schlauer Hinweis von Marco, wie ich finde. Da kann die ganze Familie vom Training profitieren.

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In dieser kurzweiligen Karatestunde wird wieder klar, dass Eltern ihren Kindern kaum einen besseren Dienst erweisen können als sie sporteln zu lassen. Nicht nur Beweglichkeit und Koordination werden gelernt, es ist auch toll zu erleben, wie Kinder sich über kleine Erfolge freuen, die sie im Sport erzielen. Dieser Antrieb kann sich nur positiv auf alle anderen Lebensbereiche auswirken.

Beim Training in der Oberlandstraße, welches von Isa de Perea geleitet wird, darf einmal richtig „zugeschlagen“ werden. Aus der Goju Kata heraus werden Kampfübungen in der Nahdistanz entwickelt. Isa arbeitet in ihrem Training viel mit Pratzen und es kann damit richtig ausprobiert werden, Kraft einzusetzen und abzuwehren. Auf diese Weise ist eine Simulation von Gefahrensituationen möglich und die Sportler werden mental darauf vorbereitet.

Isabel trainiert gerne mit dem Bo oder Gegenständen aus dem alltäglichen Leben und wie man sie notfalls einsetzen kann, um die eigene Haut zu retten. Das Aufwärm- und Konditionstraining versteht man in dieser Gruppe auch als Gesundheitsangebot, das zu Hause weiter verfolgt werden kann. Diese Gruppe scheint stark im Austausch und Gegenseitigkeit miteinander zu trainieren, jeder trägt hier etwas aus den eigenen Erfahrungen bei und Übungen werden gemeinsam erarbeitet.

Fazit aus diesem Verein: Es gibt hier versierte, kampferprobte Karateka, die ihre Rolle eher als impulsgebend verstehen. Ein gemeinsames Sich-Entwickeln im Sport steht im Vordergrund und wer den großen Meister sucht, der stets sagt, wo es lang geht ist hier falsch. Demokratischer und freundschaftlicher Umgang stehen bei diesem Verein hoch im Kurs. Breitensport hin, Bewegung her, dass die Sportler des Vereins bei Wettkämpfen immer auf den vorderen Plätzen mitmischen, freut dann doch.

Brigitte Benjes

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