Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei Sultans e.V.

IMG_0599.JPGEin Fels in der Brandung. Lange geplant, endlich umgesetzt. Ein Besuch bei Sultans e.V., einem Taekwondo- und Karateverein, der inzwischen auch osmanisches Bogenschießen anbietet.

Zunächst fahre ich durch den wunderbar verregneten Spätfrühlingstag mit dem Auto von Schöneberg über die Heidestraße nach Wedding in die Prinzenallee und darf dabei eine Baustellenbesichtigung absolvieren. Im Weddinger Kiez wimmelt und wuselt es auf den Straßen und Fußwegen. Ecke Bellermannstraße parkt ein dicker Mercedes in zweiter Spur mitten in der Straßeneinfahrt. Junge Männer stehen um das Auto herum, die mich davon absehen lassen, mit meinem etwas herben Charme auf die störende Situation hinzuweisen.

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Das Schulgebäude, in dem das Training stattfindet, wirkt wie ein ruhender Pol in dem Getriebe, die Sporthalle ist schön und wirkt gepflegt. Der Verein darf die Halle die gesamte Woche über nutzen, da er der Schulrektorin durch verschiedene Aktionen im sozialen Bereich aufgefallen war.

Als ich in der Halle ankomme, ist bereits die Trainingsgruppe mit Kindern und Jugendlichen und dem Trainer Tayfun Dogan versammelt. Seitdem ich beim Berliner Karate Verband arbeite, also seit 14 Jahren, kenne ich Tayfun durch sein Auftreten bei Wettkämpfen. Schon zwei Pluspunkte in meinen Augen: Er ist mir immer positiv aufgefallen und er ist offenbar sehr konstant in seinem Tun. Häufig ist es so, dass Jugendliche im Laufe der Pubertät den Verlockungen der Großstadt erliegen und dadurch den Anschluss zu ihrem Sport verlieren. Tayfun erklärt sein Bleiben damit, dass er und seine Freunde sich beim Karate und den damit verbundenen Aktivitäten trafen und darum keine Notwendigkeit bestand, woanders nach Abwechslung zu schauen. Inzwischen ist es für Tayfun aber so, dass er Karate aus seinem Leben nicht mehr wegdenken will und kann.

Das Training beginnt mit – Aufstellen. Spätestens sie dem Film "Rhythm is it" weiß man, dass zunächst ruhiges Stehen eine Grundvoraussetzung für die folgende geordnete Bewegung ist. Es hilft auch sehr beim Zuhören. Nach dem Angrüßen gibt es ein Spiel als Aufwärmphase. Bei dieser Gelegenheit explodiert die Energie der Gruppe und es wird deutlich, welch eine Leistung die Kinder bei der ruhigen Aufstellung vollbracht haben.

Tayfun leitet das Training entspannt, bestimmt und liebevoll. Das Ergebnis ist entsprechend. Die Gruppe wirkt ausgesprochen gut erzogen und höflich. Ein Junge, der neu beim Training ist, muss nie lange nach einem Trainingspartner suchen, er wird immer von Gruppenmitgliedern gefragt ob er mit ihnen zusammen trainieren möchte. Das eigentliche Karatetraining beginnt mit freiem Kampf, wobei die Kinder verschieden Techniken anwenden sollen. Ein nicht unbedingt üblicher Beginn einer Trainingseinheit, welcher jedoch den Kindern in ihrer Bewegungsfreude nahe kommen dürfte. Es wird sehr gut Abstand gehalten und auch im Eifer des Gefechts tut keiner dem anderen weh. Die Trainingseinheit wird von Faruk Demirtas unterstützt und die beiden Trainer beobachten  die Kinder und helfen ihnen.

Später wird eine gemeinsame Kata gelaufen, dann wird die Gruppe nach Anfängern und Fortgeschrittenen aufgeteilt, die jeweils andere Kata üben. Die Gruppe wirkt wie ein Ruhepol inmitten einer etwas chaotisch erscheinenden Umgebung und es war eine große Freude für mich, diese Stunde zu erleben.

Der Verein vermittelt über seine Internetseite bestimmte Ansprüche von Miteinander und sozialem Engagement. Nach dem Training gewinne ich den Eindruck, dass es sich nicht nur um einen Anspruch handelt, sondern um gelebten Vereinsalltag.

Brigitte Benjes