Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei Miyako Kase Ha

Bettina.jpgEin Berliner Sommertag Mitte Juni zwischen Gedenkfeiern und Erwartung auf den Obama Besuch - in diesem gediegenen Teil von Steglitz merkt man von diesem Trubel nichts. Im Hof der Fichteberg Oberschule treffen sich Christian Seidel, Bettina Brezinski und Tom Rösner mit mir. Nach einem Gespräch mit Christian, der heute Bernd Brezinski vertrat, wurde mir die Freude zuteil, Bettinas Kata-Training zu sehen.

Etwa 16 Jahre Karate-Training bei guten Trainern, vor allen Dingen bei ihrem Vater, Fleiß, Ausdauer, Lust am Ausdruck und, und, und ... haben aus ihr mindestens eine faszinierende Karate-Trainerin gemacht. Selbst kleinste Demonstrationen von Übungen haben eine Eleganz, die das Zuschauen zum Vergnügen macht.

Eine Künstlerin bei der Arbeit

Durch Änderungen in Intonation und Lautstärke beeinflusst sie die Atmosphäre im Raum. Manchmal ist es während des Trainings so still, dass man die Vögel durchs Fenster zwitschern hören kann, dann kommen wieder klare, motivierende Anweisungen von ihr, die die Gruppe zu energischen Ausführungen von Techniken veranlasst. Alles geschieht in fast spielerischer Weise, Korrekturen werden immer fast liebevoll, freundlich vorgenommen. Obwohl konzentriert gearbeitet wird, wirken die Schüler gleichzeitig gelöst und entspannt.

Hier macht sich der Vorteil bemerkbar, Karate im kleineren Rahmen zu erleben, wie nach und nach Choreografien aufgebaut werden, bzw. Karatetechniken in kleinen Schritten erarbeitet werden. Solche Intensität lässt sich bei Wettkämpfen oder großen Veranstaltungen nicht erleben, auch wenn man dort oft sehr gute Leistungen zu sehen bekommt.

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Auf den Spuren von Taji Kase

Ein längeres Gespräch führte Christian Seidel, der 2. Vorsitzende des Vereins mit mir. Er nahm 1999 an einem Karateeinführungskurs teil, was ihn im Jahr 2000 veranlasste, bei Shirokuma einzutreten. Nach und nach schloss er sich immer mehr Bernd Brezinski an, den er als seinen Karate-Ziehvater betrachtet.

IMG_7020.jpgDie Ansichten zum Karate waren so einvernehmlich, dass sie es leicht hatten, zusammen mit Jonny Berg ein Kata-Team zu bilden, welches auch erfolgreich bei Wettkämpfen auftrat. Zu seiner ersten DAN-Prüfung stellte sich Christian Schahrzad Mansouri, seine zweite DAN-Prüfung absolvierte er am 25. Mai bei François Van Binst. Das zeigt wohl auch, dass sich Christian Bernd Brezinski folgend der Shotokan-Richtung Kase-Ha zuneigt. Bernd lernte Taiji Kase noch persönlich kennen und begeisterte sich für dessen Karate-Weg. Später wurde Dirk Heene zum Karate-Orientierungspunkt von Bernd.

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Das Shotokan, welche Taiji Kase weiter entwickelt hat und der Verein Miyako Kase- Ha sind sehr traditionell ausgerichtet. Karate wird vor allem über die Kata erschlossen, die hier in alle Richtungen gelaufen werden, also wirklich vorwärts, rückwärts, seitenverkehrt, damit sich sozusagen das Grundhandwerkszeug des Karate in den Körper einbrennt. Es werden Einarmtechniken geübt, um den Rhythmus des Gegners zu brechen, es gibt viele Drehungen, man legt besonderen Wert auf die Sauberkeit von Ständen und Techniken. Nach der Abwehr geht man bei Kase-Ha nicht immer gleich zurück, sondern bewegt sich in 45° Drehungen nahe am Gegner. Stark wird außerdem daran gearbeitet, dass die Atmung zusammen effektiv mit den Karate-Techniken eingesetzt wird.



IMG_7099.jpgSchnelligkeit ist hier nur im Rahmen der Karate-Techniken Trumpf, sonst ist in diesem Verein eher der lange Weg, die Geduld und die Ausdauer gefragt. Den „schnellen Gürtel“ wird man in diesem Verein nicht erlangen, hier trifft im Besonderen zu, dass der Weg das Ziel ist.

Gerne gehen Bernd, Jonny und Christian immer wieder an die Wurzeln des Karate in Japan zurück, so waren sie im letzten Jahr zusammen in Okinawa und da die Führungsriege stark am Katatraining orientiert ist, hat sie Martin Neumann als Kumite-Trainer mit ins Boot geholt. Das Konzept des Vereins findet hier offenbar Anhänger, am Ende des Jahres 2012 zählte der Verein 50 Mitglieder. Wünschen wir dem Verein und vor allen Dingen Bernd Brezinski, dass Bernd bald vor Ort wieder seiner Leidenschaft des Karate nachgehen kann und noch viele „Ziehkinder“ ausbilden kann.

Brigitte Benjes