Neues aus den Vereinen: Ein Besuch bei HUK Berlin

IMG_8075.JPGGlück kann viele Erscheinungsformen haben. Für mich ist eine immerwährende, immer wiederkehrende Form der Garten. Natürlich am meisten zu einer freundlichen Jahreszeit und blauem Himmel. So ein wunderbarer Vorfrühlingstag war es als ich am hellen Tag meinen Acker in Birkenwerder verließ, um mit der S-Bahn zur Linienstraße zu reisen. Aber da die Karate-Freunde der Humboldt Universität am späten Freitag Nachmittag trainieren und ich den Verein endlich einmal kennen lernen wollte, war der Weg in die Innenstadt unvermeidlich.

Immerhin fand ich das im zweiten Hinterhof der Linienstr. versteckte Gebäude ohne Umstände. Beim Betreten des Hauses dachte ich, dass ich mir Elite Uni und so was immer anders vorgestellt hatte. Aber das war nicht das Thema. Wie ich nach dem Training im Gespräch erfuhr, sind die Sportler sehr dankbar, dass sie überhaupt diese Trainingsstätte nutzen können. Es ist zwar in der Nähe der Bau eines neuen Uni-Sportzentrums geplant, jedoch wer die Berliner Bautätigkeit in der letzten Zeit mitverfolgt, setzt nicht alle Hoffnungen auf einen Neubau. – Auch nicht Thema –

Obwohl gerade vorlesungsfreie Zeit ist, hatten sich viele Karateka in der Halle eingefunden und es trainierten „absolute beginners“ und Fortgeschrittene mit Schwarzgurten zusammen. Das ging auch sofort sehr schwungvoll mit einem Aufwärmtraining in Form von Partnerübungen los. Also wenig Möglichkeit, sich zu drücken. Die meist ziemlich jungen Sportler wollten das auch nicht und machten das zügig fortschreitende anspruchsvolle Training engagiert mit. Das gesamte Training, an dem ich teilnahm, wurde auch immer wieder  mit Partnerübungen ergänzt und meine liebreizende Partnerin bezog mich aufs freundlichste mit in das Geschehen ein und an ihr lag es nicht, dass mir meine eigenen Defizite an Kondition und Koordination deutlich wurden.

Obwohl der Verein nicht ausschließlich aus studentischen Mitgliedern besteht, sind die berufstätigen Menschen dort auch relativ jung. Das älteste Vereinsmitglied ist z.Zt. 52 Jahre alt. Man setzt sich im Verein jedoch keine altersmäßige Grenze nach oben und nach unten, es wird gerade auch darüber nachgedacht, eine Kindergruppe zu eröffnen, da einige Mitglieder bereits Eltern sind. Vorstellbar wäre da ein Paralleltraining zur Erwachsenengruppe, sodass Eltern und Kinder gleichermaßen zu ihrem Recht kämen.
Wesentliche Devise in diesem Verein ist es, dass man wirklich verstehen möchte, was im Karate passiert, wie die Übungen und vor allen Dingen die Kata zu verstehen sind. Blindes Nachmachen von Sequenzen will man hier nicht und im späteren Gespräch wird deutlich, mit wie viel Freude die Trainer über die Jahre  die verschiedenen Kata, die als Grundlage gesehen werden, zu interpretieren und sich diese im Bunkai zu erschließen. Karate wird im Verein als ganzheitliches System verstanden.

Viele Mitglieder kommen aus verschiedenen Sportarten, manche sogar aus anderen Stilrichtungen des Karate. Die Schönheit der Form ist nicht das oberste Ziel bei HUK und man hat hier im Training keine Berührungsängste, wobei man aber unbedingt sehr achtsam und respektvoll miteinander umgeht. Wettkampftraining wird im Verein bisher nicht angeboten, sondern ein durchdachtes, effektiv anwendbares Karate.
Im Verein wird ein freundschaftlicher Umgang miteinander gepflegt, so wie auch ein ständiger Kontakt zu anderen Vereinen besteht.

Die Trainer nehmen vom Verein kein Trainerhonorar, was sich auf den Vereinsbeitrag sehr positiv auswirkt und das Training wird für einen sehr geringen Mitgliedsbeitrag angeboten. Man ist hier unbedingt bestrebt, die Kosten für den Verein klein zu halten und darum gibt es nur einen Facebook-Internetauftritt des Vereins. Es hat sich richtig gelohnt, für den Vereinsbesuch unsere schöne Umgebung zu verlassen und wieder eine spannende und sehr lebendige Facette unseres Berliner Karatelebens kennenzulernen.

Brigitte Benjes