Lehrgang mit Samad Azadi in Berlin

Kurzfassung für die Startseite.

Der 1. Mai ist in Berlin traditionell ein Tag gemeinsamer Aktivitäten. Die einen genießen den Tag der Arbeit bei deren Gegenteil und tun kollektiv nichts. Die anderen marschieren gemeinsam, entweder weil sie in der Gewerkschaft sind oder bei den Autonomen. Wenn die einen schon wieder ihre Fahnen eingepackt haben, stehen die anderen meist erst auf und suchen dann in den üblichen Bezirken nach den Polizeikräften, um mit ihnen gemeinsam in den Mai zu tanzen. Sie selbst nennen das „Widerstand gegen das System“, die Polizei spricht von Landfriedensbruch und die restlichen Berliner zucken mit den Schultern und fegen am Montag dann die Scherben zusammen.

Dabei kann man den 1. Mai auch anders verbringen, auch gemeinsam. Und bestimmt sinnvoller. Etwa indem man Karate macht. Das geht auch nicht ohne die Pflege von Traditionen. Aber wie bringt man das Neue rein, wie erhält man Karate jung, ohne seine Geschichte zu verraten? Samad Azadi kann das. Der Hamburger ist 5. Dan Shotokan, 3-facher Kumite World Cup Sieger, 2-maliger Vizeweltmeister, Europameister und mehrfacher Deutscher Meister. Sein Frühjahrslehrgang beim Shotokan Karate Berlin e.V. hat selbst schon seine eigenen Traditionen. Da wäre etwa das gefürchtete Aufwärmen … dieses Jahr ging es. Schnell kam Samad zur Sache. Ura-Zuki, Kage-Zuki, Hiza-Geri und Mawashi Empi waren das Thema der ersten Trainingseinheit. Diese kurzen, seitlichen oder auch von unten nach oben geschlagenen Techniken ähneln dem Boxen, aber es gibt sie grundsätzlich genauso im Karate, nur werden sie leider viel seltener geübt. Man konnte dabei rasch erkennen, dass es hier auch um Anwendungen von Elementen der Tekki Sandan ging. Doch zunächst stand bei Mittel- und Oberstufe das Automatisieren dieser Techniken an der Pratze im Vordergrund. Für manche Knöchel und Handgelenke eine echte Herausforderung. Aber wer schlägt noch wie die Älteren auf ein Makiwara ein? „Karate fing so an“, erklärte Samad, „Techniken am Makiwara üben, das machte sie schön hart, aber auch ziemlich steif. Dann kam das neuere Karate, wo es viel mehr um Schnelligkeit und Lockerheit ging. Darüber haben wir dann aber ein wenig das Treffen verlernt.“ Und darum, so Samad, versucht er das heute zu verbinden, die Härte mit der Schnelligkeit. Pratzentraining ist dafür ideal. Ohne dabei allerdings die Grundschule zu vergessen: Hüfteinsatz, Drehung der Fußgelenke, Kime nach oben – Schnelligkeit darf nicht auf Kosten des Körpereinsatzes gehen.

Nach der Mittagspause dröhnten ungewohnte Klänge durch die Halle. Zum Aufwärmen ließ Samad die Mittelstufe Soundkarate machen – die Technobeats brachten jeden rasch wieder auf Betriebstemperatur. Der Nachmittag war dann ganz dem Kumite-Variationstraining gewidmet: Partnertraining mit ganz kurzer Distanz wie am Vormittag, dann sofort umschalten auf große Distanz, und dann wieder rein in den „Infight“. In rascher Abfolge mit viel Partnerwechsel ist das natürlich auch ein Konditionstest. Variationen einer Kombination von Uraken, Kizami-Zuki und Gyaku-Zuki rundeten das Kumite-Training ab. Zum Abschluss gab es dann noch die Tekki-Sandan – die auch manchen Dan-Träger etwas ratlos machte. Versprochen, Samad: Nächstes Jahr können wir sie!

Das Aufstehen am Sonntagmorgen war – na ja, nicht ganz leicht. Die ungewohnten seitlichen Zukis aus dem Oberkörper hatten in dessen Muskulatur schmerzliche Spuren hinterlassen. Egal – das gemeinsame Abschlusstraining am Morgen war Pflichtsache, allein schon um die Dan-Prüflinge nicht im Stich zu lassen. Wie schon am Vortag setzte Samad wieder seine Sound-Maschine ein, um uns nochmal so richtig auf Touren zu bringen. Wer da ein wenig die Nase rümpfte, dem sei gesagt, dass das auch nichts anderes ist als Techniktraining unter hoher konditioneller Belastung, also ein ganz klassisches Element der Trainingslehre. Darum: Dance to the Music!

Danach wiederholte Samad zur Vertiefung und Festigung noch einmal für alle die Themen des Vortages: Pratzentraining mit wechselnden Kombinationen von Faust- und Fußtechniken als Reaktions- und Schnelligkeitsübung. Wie nicht anders von Berlin zu erwarten, gaben alle nochmals alles.

Von der abschließenden Dan-Prüfung hörte man, dass die Prüflinge insgesamt gute Leistungen zeigten und alle den angestrebten Dangrad geschafft haben. Herzlichen Glückwunsch, natürlich auch an die Teilnehmer der Kyu-Prüfung! Dank an Samad Azadi für sein tolles, intensives und wie immer herausforderndes Training, den SKB als Ausrichter und an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihren Einsatz und ihre Begeisterung fürs Karate.

Gerald Wagner, Pressereferent BKV