Kata ohne Kompromiss

LG_Hartl_1.jpgJede Kata ist von einem Grundprinzip geprägt. Es gibt eher defensive Katas, die das rasche Ausweichen trainieren. Andere verkörpern den furchtlosen, entschlossenen Angriff. Dieser bleibt zwar immer eine Reaktion auf einen vorausgehenden Angriff, aber er kann nicht nur gleichzeitig zu diesem erfolgen, sondern den Angriff des Gegners gleichsam vorwegnehmen. Dann spricht man vom Prinzip des Sen no Sen im Unterschied zu Go no sen, wo der Gegenangriff nach dem Angriff erfolgt. Ganz besonders deutlich zeigt die Shotokan-Kata Sochin dieses Prinzip des Sen no Sen. Wie man es richtig übt, zeigten Schahrzad Mansouri und Sigi Hartl jetzt bei einem Lehrgang beim Tu'ng Dojo in Berlin.

Die beiden ehemaligen Kata-Jugendtrainer des DKV führten vor, wie man heute Kata trainieren sollte: Im Vordergrund steht nicht das Üben des Ablaufs der Kata, sondern das Training ihrer Grundprinzipien und charakteristischen Merkmale im Kihon und im Kihon-basierten Bunkai.

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In der Praxis wurde das für die Grund- und Mittelstufe anhand von Heian Sandan und Yondan vermittelt, für die Oberstufe an der Sochin. Diese sei eine kompromisslose Kata, die Sochin kenne kein Ausweichen. Daher sei der starke Angriff im Sinne des Sen no Sen eines der drei Grundprinzipien dieser Kata. Die beiden anderen sind eine ausgeprägte Wendigkeit im Oberkörper (wegen der vielen Gyaku-Techniken der Kata) sowie ein hohes Maß an Kraft, über die man zur Beherrschung des Sochin-Dachis und der Techniken in diesem Stand verfügen müsse.

Was auf diese Weise im Kihon vermittelt wurde, wurde anschließend in sehr dynamischer Form in der Bunkai angewendet und verfestigt. Wie von Schahrzad und Sigi gewohnt ging es dabei rasch zur Sache. Das Tempo und die Intensität ihres Trainings ist hoch – der Gewinn nicht minder. Vielen Dank an die beiden für diesen Lehrgang und bis bald wieder in Berlin!

Gerald Wagner
Pressereferent BKV