Kata in Perfektion: Ein Shotokan-Lehrgang mit Schahrzad Mansouri und Sigi Hartl

lg1_titel.jpgDie beiden ehemaligen Bundes-Jugendtrainer Kata des DKV gaben auf Einladung des Tung-Dojos einen gemeinsamen Lehrgang in Berlin. Tainiert wurde in der schönen Halle der Spreewald-Grundschule beim Winterfeldtplatz. Außerdem stellten sich die beiden als Prüfer für Kuy- und DAN-Träger zur Verfügung. Der Lehrgang vermittelte einmal mehr das tiefe Verständnis der Shotokan-Katas, für das Schahrzad und Siggi seit vielen Jahren stehen.

Jede Kata hat ein Kampf-Prinzip. Darin unterscheiden sie sich, und dadurch steht jede Kata auch für eine verschiedene Ausprägung des Shotokan-Erbes. Meistens verrät schon die erste Bewegung, welcher Stil für diese spezifische Kata typisch ist. Das wuchtige, entschlossene Vorgehen am Anfang der Bassai-Dai ist etwas ganz anderes als etwa das elegante Zurückgleiten in der Nijushiho. Entsprechend können auch viele Techniken der Bassai-Dai, die zunächst als Block ausgeführt werden, in der Bunkai der Kata als Offensiv-Techniken interpretiert werden.

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Die Bassai-Dai, so Sigi, verlange die Vorwärtsbewegung, ein entschiedenes Reingehen in den Gegner. Ganz anders die Jion: Hier dominieren schnelle Richtungswechsel und ein insgesamt deutlich defensiverer Kampfstil. "Jion ist eine Kata der Blocks", erklärte Schahrzad. Allerdings demonstrierte sie anhand der Technik Teisho-Uke, dass dieser typische Block der Jion auch die Funktion hat, den Gegner offensiv zu einem Richtungswechsel zu zwingen. Man bringt mit dem Teisho den Gegner sozusagen dahin, wo man ihn haben will.

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Das Training zeigte dieses Thema anhand der Katas Heian Yondan, Jion, Bassai-Dai und Jiin. Dabei ist klar, dass solche Lehrgänge nicht das Erlernen des Ablaufs der Kata zum Thema haben. Dessen Bekanntheit wird vorausgesetzt. Trainiert wird vielmehr die Kihon zur Kata und die Bunkai, die sich aus den besagten Kampfprinzipien ergibt. Die Kata selbst dann nochmal zum Abschluss komplett mit Gelegenheit zu Fragen.

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Das ist immer sehr anspruchsvoll, verlangt wird eine hohe Konzentration und ein rasches Aufnahmevermögen. Für Entspannung sorgen dann aber auch wieder großartige Aufwärm- und Krafteinheiten, von denen Schahrzad und Sigi ein unerschöpfliches Reservoir zur Verfügung haben. Übrigens wird Schahrzad Mansouri im Herbst beim Jubiläumslehrgang des Uni-Dojos wieder in Berlin sein. Wir freuen uns schon darauf!

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Gerald Wagner