Gewalt verhindern! Gaysha macht mit bei der Aktionswoche „Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns!"

gaysha.jpgGewalt gegen Frauen geht auch uns etwas an! Deshalb beteiligten wir uns an der Aktion des Deutschen Olympischen Sportbundes. Wir, das ist Gaysha e. V., als schwules Anti-Gewalt-Projekt 1989 gegründet. Inzwischen trainieren über fünfzig Gayshas in verschiedenen Gruppen regelmäßig miteinander Karate. Damit ist Gaysha schon lange ein fester Bestandteil der Berliner Gay-Community und der Berliner Karate-Gemeinschaft.

Eine Gewaltsituation rechtzeitig zu erkennen oder vorauszusehen ist besser, als eine real ausgebrochene Konflikt- oder Gewaltsituation zu erleben. Hier setzte der Kurs zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung von Christina Gutz (5. Dan Wado Ryu) im Rahmen der Aktionswoche „Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns!“ an.  Integriert wurde er in das „alltägliche“ Karatetraining von Gaysha e. V. 

Schon unsere Haltung, Körpersprache und Mimik sagen viel über uns aus und lassen die Umwelt auf uns reagieren: freundlich, neutral oder abweisend. Übungen zur Aufmerksamkeit (Zanshin), dem Blick (Metsuke) und dem Abstand (Maai) sollten dieses Geschehen bewusst machen. Im weiteren Verlauf des Kurses beantworteten die TeilnehmerInnen die Frage: „Welche Angst- oder Gewaltsituation hast du schon einmal erlebt?“, indem sie ihre Antwort anonym auf eine Karteikarte schrieben. Es zeigte sich, dass vielfältige Angst- und Gewaltsituationen erfahren wurden: von Bedrohung im Bus über Raub bis hin zu Bedrohungen mit Messer und Schlägen in einem Raum.

Zusammen mit Christina Gutz entwickelten die TeilnehmerInnen Lösungsmöglichkeiten, so zum Beispiel der Bedrohung schon im Ansatz aus dem Wege zu gehen und Hilfe zu holen (Bus: Wegsetzen), dem Herausgeben von Handy und Wertsachen, um weitere Eskalation zu verhindern (Raub) und dem Vermeiden von Situationen, die Gefahren bergen könnten (Bedrohung mit Messer und Schlägen in einem  Raum).  Dies alles zeigt, dass die  Prinzipien des alten Bujutsu auch heute aktuell sind: Go no sen, sen no sen, sen sen no sen[1]: die Verteidigung in einer Gewaltsituation kann notwendig sein, aber es gibt auch die Chance einem Konflikt, einer  Gewaltsituation auszuweichen, sie vorherzusehen oder  sie sogar im Vorfeld zu verhindern. Letztgenanntes ist oftmals die beste Lösung: einen Konflikt „… vollkommen zu ‚kurieren‘, und dies, bevor er ausgebrochen ist. …“[2]

Gerne beteiligt sich Gaysha e. V. auch im nächsten Jahr an der Aktion „Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns“ des Deutschen Olympischen Sportbundes, da der Informationsaustausch und der Aufbau von Netzwerken wichtig sind, um Gewalt zu verhindern bzw. Gewaltopfern Unterstützung und Hilfe anzubieten.

Darüber hinaus laden wir alle ein, bei uns mit zu trainieren. Informationen: www.gaysha.de.

 Christina Gutz, Stilrichtungsreferentin Wado-Ryu



[1] Go no sen: dem Gegenangriff aus der Verteidigung heraus. Sen no sen: Vorwegnahme, indem man dem anderen zuvorkommt. Sen sen no sen: Vorwegnahme, indem man dem anderen zuvorkommt, der selbst versucht, einem zuvorzukommen. Vgl.: Kenei Mabuni: Leere Hand. Vom Wesen des Budo-Karate. Herausgeben von Carlos Molina. 1. Auflage Chemnitz: Palisander 2007, S. 130, 187.

[2] Kenei Mabuni: Leere Hand. Vom Wesen des Budo-Karate. Herausgeben von Carlos Molina. 1. Auflage Chemnitz: Palisander 2007, S. 226 – 228.