Distanz und Raumbeherrschung: Shotokan-Lehrgang mit Samad Azadi und Christian Esni

Azadi_2017.jpgKarate bedeutet, den Raum um sich herum zu beherrschen. Sei es im Angriff oder in der Verteidigung, in der Vorwärtsbewegung oder beim Ausweichen – es geht immer um die richtige Distanz zum Gegner. Wie man das trainiert, war ein Thema des Shotokan-Lehrgangs mit Samad Azadi und Christian Esni am 20. und 21. Mai beim SKB.

Samad Azadi (5. Dan), Vizeweltmeister Kumite und vielfacher Deutscher Meister, variierte das Thema Distanzverhalten schon beim Aufwärmen: Der Gürtel diente als Verlängerung des Körpers – gelingt es mir, damit meinem Gegenüber auf die Füße zu hauen? Der Angegriffene musste dabei natürlich ausweichen, was ein Hinweis von Samad war, beim Kumite eben den ganzen Raum im Blick zu behalten, also auch die Füße. Dann aber der Versuch, den Partner zu treffen, allerdings mit dem Gürtel auf dem Boden als Trennlinie. Auch hier, spielerisch locker, das Problem, wie man Distanzen überbrückt oder eben für sich selbst nutzt.

Natürlich ging es dann auch richtig zur Sache: Samad ließ Angriffskombinationen aus Kizami und Gjaku-Zuki sowie Mawashi Geri üben, die dann aber ergänzt wurden durch das rasche Umschalten in eine Rückwärtsbewegung mit erneutem Konter. Das bedeutet natürlich auch jedesmal eine andere korrekte Distanz zum Gegner. Variiert wurde diese Aufgabe dann durch das Üben eines verkürzten Ushiro-Geris, das Einsetzen sowohl kurzer als auch langer Kontertechniken im Jiyu Ippon Kumite sowie dem Kampf gegen mehrere Gegner gleichzeitig (Happo Kumite). Also das sofortige korrekte Verteidigen und Kontern bei jeweils verschiedener Distanz, Richtung und Stellung des Angreifers. Stress pur – insofern das Überprüfen des Gelernten unter Maximalbelastung.

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Christian Esni (4. Dan), mehrfacher Deutscher Meister Kata, trainierte die Katas Heian Godan und Kanku Sho. Wie immer legte er dabei den Schwerpunkt auf das Kihon und die Bunkai der Kata, also das Erkennen der Grundprinzipien und das Trainieren des entsprechenden Kampfstils einer Kata. Schon die erste Bewegung gerade der Kanku Sho macht natürlich deutlich, dass es in dieser Kata um das Ausweichen geht, um schnelle Distanzgewinne, überraschende Wendungen und Richtungswechsel. Das bedeutet, dass man seinen Körper aus der Angriffslinie des Gegners bringen muss, und das verlangt natürlich eine gute Beherrschung der Hüfte. Viele Bewegungen in der Kanku Sho, aber auch in der Heian Godan, beruhen auf manchmal nur relativ kleinen, aber dennoch entscheidenden Verlagerungen der Hüfte und damit des Körperschwerpunktes, gerade bei den Block- und Ausweichbewegungen. Also auch hier: Raumbeherrschung durch Distanzwechsel.

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Der erfreulich gut besuchte Lehrgang wurde ergänzt durch Kyu-Prüfungen am Samstag und eine Shotokan Dan-Prüfung mit Samad Azadi und Joachim Grupp (6. Dan) am Sonntag. Herzlichen Glückwunsch an die Prüflinge und herzlichen Dank an Samad und Christian für einen großartigen Lehrgang.