Bescheidenheit lernen: Ein Lehrgang mit Bundestrainer Efthimios Karamitsos bei Dokan Berlin

kara4.jpgAuch wenn sich die Reihenfolge manchmal ändert: Wer in Berlin Shotokan macht, freut sich im Dezember auf die Jahreshöhepunkte seiner Stilrichtung – den Shotokan-Cup und dann den Lehrgang mit Efthimios Karamitsos, 7. Dan. Und auch wer gerade noch ganz oben auf dem Treppchen stand, lernt beim Kata-Bundestrainer dann ganz rasch wieder die wichtigste Tugend des Karates – Bescheidenheit.

Es gibt viele großartige Sportler. Amtierende und ehemalige Landes- und Weltmeister, Leistungssportlerinnen und Leistungssportler auf dem Höhepunkt ihres Könnens, eben Meisterinnen und Meister ihrer Disziplin. Dann gibt es großartige Trainer, die hervorragend erklären und motivieren können. Schon seltener sind Leute im Sport, die beides sind. Also die das, was sie trainieren, auch selbst (noch) können – vormachen und erklären. Und die dann auch noch bereit sind, wirklich jedem, der dafür ein bisschen Geld bezahlt, ein ganzes Wochenende lang etwas beizubringen. Also man stelle sich mal vor, der TSG Neustrelitz (DFB-Regionalliga Nordost) würde ankündigen, am Samstag könne jeder bei ihnen mit Bundestrainer Jogi Löw sechs Stunden lang Fußball trainieren – für 17 Euro. Was da wohl los wäre?

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Grundlagen, Grundlagen, Grundlagen!

Aber zum Glück machen wir Karate. Unser Bundestrainer macht solche Lehrgänge, und er hat sichtlich Spaß dabei. Selbst wenn man wie der Autor seit mehr als zehn Jahren zu Lehrgängen mit Karamitsos geht, hat man nie das Gefühl bekommen, er könnte je daran die Lust verlieren. Efthimios Karamitsos verfügt eben über die seltene Gabe, das immer Gleiche nie langweilig werden zu lassen. Und das ist eben Karate – Grundlagen trainieren, immer wieder, sei es als Kihon oder Kata. Und trotzdem ist es auch immer wieder anders – weil dieser Trainer über ein unerschöpfliches Reservoir von Wegen und Zugängen verfügt, diese Grundlagen zu üben und uns immer wieder an ihre Verbesserung heranzuführen.

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Kontrolle - langsam und bei Wendungen

Am Samstag hieß das: Heian Yondan und Godan für die Mittelstufe, Bassai Dai und Jiin für die Oberstufe. Alles sofort in Anwendung mit dem Partner und dann kompakt als ganze Kata zur Vertiefung. Wie immer ging es dem Bundestrainer dabei um den Einsatz des ganzen Körpers in einer Technik. Das geht natürlich nur, wenn man Kontrolle hat – und Kontrolle ist immer die Kontrolle des Körperschwerpunktes. Für die Mittelstufe ließ sich das etwa am langsamen Beginn der Heian Yondan demonstrieren. Die Oberstufe musste das gleiche Thema mit den schwierigen Wendungen in der Jiin üben. Überhaupt Wendungen – auch das ein sehr beliebtes Thema von Karamitsos. Es ist vielleicht nicht schwierig, mit einem Tetsui einen Oi-Zuki abzuwehren. Aber rückwärts, aus der Drehung, im Kiba-Dachi, mit sofortigem Konter ebenfalls mit Tetsui aus der Drehung als Konter? Da verlor so mancher die Orientierung. Vom Tempo und Präzision der Techniken ganz zu schweigen.

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Aber wir machen Karate ja nicht, weil es leicht wäre, sondern weil es nie aufhört, eine Herausforderung zu bleiben. Das macht bescheiden, aber auch stolz. Und das ist auch irgendwie das Gefühl, das man nach einem Lehrgang mit Efthimios Karamitsos hat. Dafür herzlichen Dank an ihn und natürlich auch Guido Wallmann und seinem Team von Dokan, die als Ausrichter des Lehrgangs wieder eine hervorragende Arbeit geleistet haben.

Gerald Wagner, Pressereferent BKV