A-Prüfer-Treffen Shotokan in Berlin: Mach Dein Karate!

A2_Cover.jpgSeitdem die Stilrichtung Shotokan im DKV beschlossen hat, dass nun auch die A-Prüfer zur Verlängerung ihrer Lizenzen den Besuch eines entsprechenden Lehrgangs nachweisen müssen, führt DKV-Stilrichtungsreferent Shotokan Gunar Weichert (7. Dan) regelmäßig solche Lehrgänge durch. Am 4. Oktober fand der erste dieser Lehrgänge in Berlin statt. Zahlreiche A-Prüfer aus Berlin und Brandenburg nahmen daran teil, um gemeinsam mit Gunar und einigen dazugeladenen B-Prüfern an den theoretischen und praktischen Grundlagen der Dan-Prüfung im DKV zu arbeiten.

Carsten Brunner von Shirokuma Berlin stellte freundlicherweise eine passende Halle zu Verfügung, und half mit Essen und Getränken den Teilnehmern über die immerhin drei angesetzten Trainingseinheiten.

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Gunar Weichert begann den Lehrgang zunächst mit der Theorie – die aber gar nicht so grau und trocken ist, wie man das gerne unterstellt. Schließlich geht es um durchaus praktische Probleme rund um die Verfahren und Grundlagen der Durchführung von Dan-Prüfungen. Sei es die Anerkennung von Dan-Graden aus ausländischen Verbänden, sei es die Frage nach den Kriterien für die Verleihung von Dan-Graden ab dem 6. Dan – für alles gibt es die verbindlichen Regularien des DKV, wie sie insbesondere in unserer Verfahrensordnung niedergeschrieben sind. Auch hier gilt darum der Satz aus der Jurisprudenz: Der Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.

Besonderen Wert legte Gunar dabei darauf, dass in Prüfungen wirklich alles geprüft werden muss! Was in der der Prüfungsordnung steht, muss auch in der Prüfung drankommen. Egal, ob 9. Kyu oder 4. Dan! Kihon, Kata (inclusive der Bunkai) und Kumite sind gleichberechtigte Inhalte der Prüfungsordnung und müssen deshalb logischerweise auch gleichwertige Inhalte des Trainings sein. Wobei man damit bei einem wichtigen Thema der Praxis war: Mit der Höhe des Dan-Grades nimmt auch die Anzahl der freien Kihon-Anteile zu, also der vom Prüfling zu demonstrierenden Kombinationen nach Ansage der Prüfer. Die Teilnehmer waren sich einig, dass man sich als Prüfer hier wirklich Gedanken machen muss. Warum gerade diese Kombination für diesen Prüfling? Wie sollte man hier differenzieren? Nach Alter, Können, Leistungsfähigkeit? Und was sind die Kriterien, nach denen dann die Ausführung der Kombinationen durch den Prüfling bewertet wird? Klar – das sind Themen, die schon für eine Weißgurt-Prüfung wichtig sind. Aber was muss ein Dan-Träger können, was muss er besser machen, was vielleicht nahezu perfekt?

Geübt wurde das in Gruppen. Jeweils zwei Kombinationen aus der Grundschule mussten ausgewählt und vorgeführt werden. Anschließend sollten die Gruppen begründen können, für wen diese Kombinationen angemessen wären und – schwieriger – warum. Als Richtlinie regte Gunar an, dem Prüfling die Möglichkeit zu geben, sein Karate zu zeigen. Versucht bei der Auswahl dieser Kombinationen nicht, ihm oder ihr euer Karate aufzuzwingen – gebt dem Prüfling die Chance, seine Stärken zu zeigen!

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Dann das Kumite. Vermutlich hat jeder Prüfer bereits die Erfahrung gemacht, dass die Bandbreite des gezeigten Jiyu Ippon Kumites groß ist. Das betrifft weniger die Themen Abwehr oder korrektes Kontern, sondern der Umgang mit der Distanz zwischen Tori und Uke. Gunars Anliegen war es darum, einmal mehr die korrekte Durchführung dieser Kumite-Form zu vertiefen. Das ließ sich praktisch am besten in Abgrenzung zum Kihon Ippon Kumite zeigen.

Entscheidend im Jiyu Ippon Kumite ist die Beherrschung der Distanz durch den Angreifer. Im Unterschied eben zum Verteidiger (der natürlich nicht "weglaufen" darf), muss sich der Angreifer zunächst die Distanz zum Verteidiger verringern, bis er in der richtigen und dann sozusagen zwingenden Distanz zum eigentlichen Angriff steht. Daraus ergibt sich natürlich, dass ein Jiyu Ippon Kumite falsch ist, wenn der Angreifer schon beim Ansagen der Technik unmittelbar vor dem Verteidiger steht. Also so wie im Kihon Ippon Kumite. Nein – frei an dieser Kumite-Form ist eben auch und gerade die Ausgangsposition und die Überwindung der Distanz zum Verteidiger. Natürlich – auch das ist wichtig – muss der Verteidiger seinen Teil dazu beitragen. Wer dabei ständig zurückweicht, oder durch seine Kamae-Haltung eigentlich gar keine entsprechende Treffer-Möglichkeit zulässt, demonstriert nur, dass er das Wesen dieses Kumites nicht begriffen hat. Aber in einer Dan-Prüfung sollte das ja nicht mehr vorkommen können …

Die letzte Trainingseinheit widmete sich abschließend dem Thema Bunkai. Anhand der Kata Jion wurde vertieft, wie eine Demonstration des Bunkai aussehen sollte. Gewünscht ist die Vorführung der freien Anwendung spezifischer Techniken einer Kata. Also durchaus im Stil des Jiyu Ippon Kumites. Wie gesagt – hier geht es um Dan-Prüfungen. Selbstverständlich kann man in einer Kyu-Prüfung noch zulassen, dass sich der Prüfling dabei relativ eng an den Stellungen und Bewegungsrichtungen der Kata orientiert. Aber im Dan-Bereich sollte der Prüfling auf solche Hilfen verzichten können. Ein Hin- und Herdirigieren des Angreifers sollte es darum auf dieser Stufe im Bunkai nicht mehr geben.

Insgesamt war es ein hochinteressanter Lehrgang, der tief in die Schwierigkeiten des Prüfungswesens hineinführte. Aber auch – das war das Verdienst Gunars – für alle Fragen Lösungen anbot. Herzlichen Dank also von den Landesverbänden Berlin und Brandenburg für diesen Lehrgang.

Gerald Wagner, Pressereferent BKV