50 Jahre Uni Dojo Berlin

uni3.jpgWir schreiben das Jahr 1966. In Bonn regiert Bundeskanzler Ludwig Erhard, und Berlin ist seit fünf Jahren von einer Mauer geteilt. In einer Baracke in der Münsterschen Straße trainieren sieben junge Männer einen neuartigen Kampfsport aus Japan, der angeblich unbesiegbar machen soll: Karate. Einer von ihnen trainiert diesen Sport immer noch, und auch wenn er nicht ganz unbesiegbar wurde, hat Bernd Hartlieb (6. Dan Shotokan) doch eine ganze Menge Kämpfe gewonnen. Und aufhören will er sowieso noch nicht: Bei den Deutschen Meisterschaften der Masterklasse wird er auch dieses Jahr wieder antreten. Der von ihm und einigen anderen Karate-Pionieren damals gegründete Verein, das Uni Dojo Berlin, wird jetzt 50 Jahre alt.

Montagabend, Dovestr. 6 in Charlottenburg. Im TU-Sportzentrum kann man an diesem Abend zu heißen Rhythmen Tango tanzen, an der Balletstange im Tutu das Bein heben oder im Gi dem Gegner mit dem Bein an den Kopf treten. Letzteres ist die Kumite-Trainingseinheit des Uni-Dojos, die an diesem Abend von Sensei Hartlieb persönlich geleitet wird. Die Atmosphäre ist sehr locker, ein steifes Begrüßungszeremoniell wird durch ein kurzes Angrüßen ersetzt. Die rund 15 Anwesenden – vom Dan-Träger bis zum Weißgurt ist alles dabei – wärmen sich mit leichten Partnerübungen auf, dann kommt Bernd gleich zur Sache. Ausweichen im Kumite ist heute das Thema, genauer gesagt eigentlich beim Jiyu Ippon Kumite. Die Aufgaben sind zunächst einfach, Bernd legt Wert auf viele Wiederholungen und ständigen Partnerwechsel. Nach Tsuki-Angriffen geht es weiter mit Mawashi-Geri und schließlich Ushiro-Geri. Anspruchsvoll wird es, als der Angreifer nur noch kurz die Technik ansagen soll, und dann auch sofort angreift. Und zum Abschluss dann noch eine Runde ganz ohne Ansagen der Angriffstechnik. Und Yame!

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Man geht im Uni Dojo nach dem Training immer "zum Griechen". Der Berliner Sommer ist gerade noch warm genug, um das Bier draußen zu genießen. Am Anfang, erzählt Bernd, habe man alles den Japanern nachgemacht. Es gab ja keine anderen Vorbilder. Das änderte sich erst spät, als etwa mit DKV-Bundestrainer Karamitsos und seinen Schülern Karate von Leuten gelehrt wurde, die Sport akademisch gelernt hatten. Damit setzte eine Verwissenschaftlichung des Trainings im Karate ein, was das Ganze natürlich sicher auch gesünder gemacht hat. Nachwuchsprobleme hat das Uni-Dojo wie alle anderen Karate-Vereine natürlich trotzdem. Durch seine Einbindung in das TU-Sportprogramm kann sich der Verein zwar bis heute über einen ständigen Zustrom neuer studentischer Mitglieder freuen, aber die langfristige Bindung an Karate ist dennoch selten geworden. Die machen ein Semester durchaus begeistert mit, so Bernd, aber dann machen diese gleichen Studenten im Semester darauf eben Bouldern oder Zumba. Man probiert vieles, bleibt neugierig, aber sich auch nur mal wenigstens für ein paar Jahre dem Training nur einer Sache zu verpflichten – das findet man eben doch immer seltener. Das stürzt den Verein, der über die Jahre konstant um die 100 Mitglieder hatte, nicht in Existenznöte, aber es ist eben dem Gedanken des Karate Do nicht eben förderlich. Man muss Karate eben 50 Jahre gemacht haben, um zu erleben, was man dann immer noch Neues erleben kann, sagt Bernd verschmitzt.

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An diesem Samstag fand aus Anlass des Jubiläums ein Lehrgang mit Schahrzad Mansouri beim Uni Dojo statt. Wie immer zeigte sie Shotokan-Karate auf höchstem Niveau. Thema der Oberstufe war die Kata Kanku-Sho - eine sehr anspruchsvolle, athletische Kata mit schwierigen Sprungeinlagen. Die Mittel- und Unterstufe begann mit der Heian Sandan, um dann mal so ganz nebenbei die Kata Jiin beigebracht zu bekommen. Schahrzad entwickelte diese hohe Kata nahezu spielerisch aus der allen bekannten Taik Yoko Shodan. Wie immer stand bei Schahrzad die Kihon zu diesen Katas im Zentrum ihres Trainings, aus der sie dann die Kata selbst und anschließend das Bunkai ableitete. Zum Abschluss verlangte sie dann noch 50 Zukis - einen für jedes Jahr des Uni-Dojos. Herzlichen Glückwunsch also zu diesem wunderbaren Jubiläum!

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Und hier noch einige Impressionen aus den Anfängen des Karate in Berlin ...

 

Lehrgang 1969 mit Kanazawa ...

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Und mit Sukimura ...

Wer auf den Bildern zu sehen ist, kann man hier nachschauen:

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Und wie einige der junggebliebenen Herren heute aussehen, kann man auf diesem Bild sehen - von links nach rechts: Prof. Dr. Wilfried Roetzel, Rainer Winkelmann, Dr. Kimon Haseloff, Tassilo von Bonin, Detlef Eiffer, Bernd Jähn, Prof. Dr. Dieter Korschelt, Ulrich Scholtze, Dr. Bernd Hartlieb, Dieter Konrad, Hartmut Wolfahrt.

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