25 Jahre SKB: Jubiläumslehrgang mit Samad Azadi und Christian Esni

Titel_SKB.jpgTraining ist Variation. Nur wer sich im Training immer wieder neuen Herausforderungen stellt, Dinge ändert und andere Wege sucht, hat Erfolg und verbessert sich. Das Training mit Samad Azad und Christian Esni am vergangenen Wochenende war ein Musterbeispiel für dieses Grundprinzip: Kumite und Kata, Schnelligkeit und Kondition versus Konzentration und Kraftausdauer. Vier Trainingseinheiten an einem Tag – das bot die ganze Bandbreite des Shotokan-Karate. Zum Jubiläum des SKB ließen sich viele Berliner Karateka und auch einige auswärtige Gäste diese Chance jedenfalls nicht nehmen.

Samad (5. Dan, Vizeweltmeister Kumite 1998) und Christian (3. Dan, Shotokan-Europameister Junioren und mehrfacher Deutscher Meister Kata) sind beim SKB natürlich keine Unbekannten, sondern dem Verein seit Jahren sportlich und freundschaftlich eng verbunden: Der SKB-Lehrgang mit Samad ist seit langem fester Bestandteil des Shotokan-Terminkalenders in Berlin, und Christian ist als Kata-Trainer für die Oberstufe ebenfalls seit Jahren beim SKB. Das Besondere an diesem Lehrgang war aber, dass die beiden zum ersten Mal gemeinsam einen Lehrgang gaben.

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Für die Teilnehmer war das eine echte Herausforderung, und nicht nur in konditioneller Hinsicht. Das Kihon- und Bunkai-orientierte Kata-Training Christians beanspruchte Körper und Geist ganz anders als das auf Schnelligkeit, Dynamik und Reaktionsgeschwindigkeit zielende Training von Samad. In seinen Einheiten wurde das Überraschungsmoment durch schnellen Wechsel des Angriffswinkels trainiert. Zusätzlich setzte die Variation von angriffsauslösenden Impulsen (optisch, akustisch, haptisch) den Angreifer unter Druck. Aber die einfachste Variationsmöglichkeit im Kumite-Training ist natürlich der häufige Wechsel des Partners.

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Dieses Thema des Ausnutzens aller Möglichkeiten der Angriffsrichtung (Samad: "Wir wollen wegkommen davon, im Kumite immer nur vor und zurück zu gehen!") wurde an den klassischen Techniken Gyaku und Kizami-Zuki sowie Mawashi-Geri geübt. Die Steigerung der Intensität gipfelte dann in einer Art Zirkeltraining mit fünf Partnern, die es sozusagen "abzuarbeiten" galt. Quer über die Hallenbreite im steten Wechsel, also ca. 25 Angriffe pro Durchgang, und das nacheinander mit allen geübten Variationen. Man kam da insgesamt schon auf ca. 100 Angriffe, in rascher Abfolge und mit vollem Einsatz. Es wurde ziemlich geschwitzt.

Christian setzte dazu mit den Katas Heian Yondan (Mittelstufe) und Nijushiho (Oberstufe) die Akzente auf schnelle Drehungen (wer ihn aus dem Training kennt, weiß, dass das sowieso eines seiner Lieblingsthemen ist …). Das größte Problem dabei ist, dass man beim Drehen meistens das Sanchin verliert. Dabei sollte dieses Fixieren des Gegners bei den Wendungen gar nicht unterbrochen werden. Was sich darum immer zuerst bewegen muss, ist eben der Blick. Der Körper folgt dem Blick!

Insofern hatten die beiden Trainer dieses Lehrgangs eigentlich ein gemeinsames Thema: Im Karate müssen wir den ganzen Raum um uns herum beherrschen. Man muss alle acht Richtungen (jap. Happo) des Karate ausnützen. Sei es durch überraschende Finten und Wechsel des Angriffswinkels, oder durch rasche Wendungen in der Kata. So oder so – man muss eben immer wieder neue Wege finden. Das gilt im Karate im Kleinen wie im Großen.

Sehr erfreulich war, dass die meisten Teilnehmer nicht nur alle vier Einheiten mitmachten, sondern am Abend auch noch Kraft hatten für die gemeinsame "fünfte Einheit" in der ehemaligen Stammkneipe des Vereins, dem Madonna in der Wienerstraße. Dort wurde noch bis spät in die Nacht bei milden Temperaturen das Jubiläum des Vereins mit Aktiven, Ehemaligen sowie Gästen gefeiert.

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Am Sonntagvormittag bildete ein gemeinsames Training bei Samad den Abschluss des Lehrgangs. Und den sechs DAN-Trägern (drei aus Leipzig, zwei vom Bodensee und eine Karateka aus Berlin), die sich danach bei Samad und Joachim Grupp prüfen ließen, gratulieren wir ganz herzlich zur bestandenen Prüfung!

Gerald Wagner, Pressereferent BKV