25 Jahre Mauerfall: Auch das Karate ist zusammengewachsen

Dpa-Eilmeldung_zum_Mauerfall_09.11.1989.jpgIn diesem Jahr war das deutsche Karate-Leben sicher auf ein großartiges Ereignis fokussiert: Die Karate Weltmeisterschaft in Bremen. Das war gut und richtig so und wir blicken nun auf eine Veranstaltung zurück, die jeder in der teilnehmenden Karatewelt für sich genossen hat. Darüber ist vielleicht ein doch noch wichtigeres Ereignis für Deutschland aus dem Blick geraten, nämlich dass sich der Fall der Mauer zum Zeitpunkt der WM zum 25. Mal gejährt hat. Dieses historische Ereignis ist einmalig in der deutschen Geschichte und hatte auf alle Lebensbereiche Auswirkungen, so auch für das Karate. Ist auch im Karat inzwischen "zusammengewachsen, was zusammengehörte"?

Gerade in Berlin konnte man das Zusammenwachsen und die damit einhergehenden Animositäten besonders hautnah erleben. Man kann sich darum heute fragen, was haben wir in Sachen „Einheit“ erreicht und wo gibt es noch Handlungsbedarf? So möchten wir aus Berliner Sicht ein wenig von dem Prozess schildern und schauen, wo wir aktuell stehen.

Heute ist es im BKV so, dass eine Frau mit Wurzeln in den neuen Bundesländern als Präsidentin fungiert, die beiden Vizepräsidenten und unser Schatzmeister entstammen den alten Bundesländern - genauer gesagt kommen sie aus West-Berlin. Und unser Jugendreferent ist Berliner mit türkischem Migrationshintergrund. Das ist ein Team, das prima zusammenarbeitet und sich bestens ergänzt. Bei den Referenten sieht die Mischung ähnlich aus und es stellt sich so dar, dass Ämter im Verband danach vergeben werden, wer dazu befähigt ist und sich dazu zur Verfügung stellt.

Bei den Vereinen spielt es selbstverständlich eine Rolle, wo die Menschen wohnen, die hauptsächlich Vereinsmitglieder werden, aber auch da ist der Wohnort nicht alleiniges Kriterium, sondern viele unserer Karateka nehmen dort das Training wahr, wo ihnen das Karate am meisten zusagt; dafür werden häufig weitere Wege in Kauf genommen. Die imaginäre Grenze im Kopf spielt dabei keine Rolle.

In unserem Verband wissen wir häufig, wo die Menschen herkommen, was jedoch damit zusammenhängt, dass man sich jahrelang kennt und miteinander spricht. Das hat nichts mit stigmatisierenden Aspekten zu tun, wie wir es oft aus den Generationen unserer Eltern oder Großeltern kennen. Also, es scheint so als ob wir in Sachen „Wiedervereinigung“ auf einem guten Weg wären. Was hier jedenfalls in den letzten 10 Jahren keine Rolle gespielt hat ist: „Wir als Ossis“ oder „wir als Wessis“ und das ist gut so.

Natürlich wären wir  froh, auch von unseren Berliner Vereinen und aus anderen Bundesländern zu hören, wie ihr den Weg in die Gemeinsamkeit bisher wahrgenommen habt. Vielleicht findet der eine oder die andere etwas Zeit, schriftlich etwas zum Thema beizutragen.

Brigitte Benjes