Wado-Ryu Karate in Berlin

Ansprechpartnerin

Wado-Ryu Stilrichtungsreferentin Christina Gutz
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Grundlagen und ein kurzer geschichtlicher Abriss des Wado-Ryu

Von Christina Gutz

Der Name Wado-Ryu stammt von dem Gedanken TEN CHI JIN no RI-DO ni WA suru.1

„Ten Chi Jin bedeutet wörtlich übersetzt: Himmel, Erde, Mensch. Im klassischen japanischen Budo wird davon ausgegangen, dass Energie von oben und unten, Himmel und Erde, abgeleitet wird, mit dem Menschen als der Leitung für das Schaffen von einheitlicher Kraft.“2 Wa steht für das Streben nach Harmonie und Frieden.

„Der Weg der Kampfkünste ist keine einfache Angelegenheit. Es bedeutet den Frieden zu meistern und Harmonie zu wünschen.“ Hironori Ohtsuka3

Grundlegende Prinzipien des Wado-Ryu

Viele allgemeine Prinzipien des Karate Do hat Wado-Ryu mit den Karatestilen aus Okinawa gemeinsam. In seinem Kern hat Wado-Ryu jedoch grundlegende Prinzipien, die direkt auf das Shindo Yoshin Ryu Jujutsu zurückgehen, dazu gehören u. a.
San-mi-Ittai

San-mi-Ittai sind drei typische Bewegungsarten der Körperverlagerung. Kihon Kumite 1 – 10 bieten vielleicht das beste Beispiel hierfür.
Ten-i: Änderung der Position oder ein Wegbewegen vom Angriff.
Ten-tai: Drehen und Wiederausrichten des Körpers, um so eine günstige Position zum Angreifer einzunehmen und eine geringere Angriffsfläche zu bieten.
Ten-gi: Änderung der Technik, während der Angriff 'durchlaufen' wird.

Taisabaki

Eine besondere Betonung wird im Wado Ryu auf Taisabaki (Ausweichen) gelegt. Hier werden drei grundsätzliche Prinzipien unterschieden:
Nagasu: das Bewegen mit dem Angriff und das gleichzeitige knappe Ausweichen aus der Angriffslinie, oftmals verbunden mit einem gleichzeitigen Konter.
Inasu: das Ausweichen und/oder Umleiten des Angriffs, oftmals begleitet von einem Fallenlassen des Körpers (Tai Otoshi) unter, in oder um die Technik des Angreifers.
Noru: das Bewegen im Kontakt mit dem Gegner, so dass dessen Technik bzw. Bewegung kontrolliert wird.
Irimi: das direkte Hineingehen in die Technik des Gegners.

Atemi

Das Ausweichen ist fast immer von einem präzisen Schlag (Atemi) auf einen vitalen Körperpunkt begleitet und endet sehr oft mit einem Wurf.

Entstehung und Entwicklung des Wado-Ryu

Wado-Ryu Karate ist eine Kombination aus japanischer Kampfkunst, dem Shindo Yoshin Ryu Jujutsu, und dem aus Okinawa stammenden Karate. Es wurde von Ohtsuka Hironori (1892 - 1982) entwickelt.

1934 gründete Ohtsuka die Vorläuferorganisation des Wadokai Verbandes, die Dai Nippon Karate Shinko Karubu.1934 kann somit als das Gründungsjahr des Wado-Ryu-Karate angesehen werden. 1938 wurde Wado-Karate als selbstständige Stilrichtung in der Dai Nippon Butokukai eingetragen. In den Jahren während des 2. Weltkriegs kamen die Kampfkünste in Japan weitgehend zum Erliegen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden alle Karatestilrichtungen in Japan zur JKF (Japan Karate Federation) zusammengefasst. Wadokai gilt dabei seit 1967 als eine der wichtigsten Gruppen.4

Wado-Ryu in Berlin

Ende der 50er Jahre gelangte Karate nach Deutschland und Anfang der 60er Jahre nach Berlin. Die Geschichte des Wado-Ryu in Berlin ist gekennzeichnet durch eine kontinuierliche Entwicklung, zahlreiche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene und nicht zuletzt durch eine integrative und offene Grundhaltung. So gehören zu der Stilrichtung Wado-Ryu national und international erfolgreiche Vereine wie Nippon, SC Banzai und Okinawa, im nationalen und internationalen Wettkampf sehr erfolgreiche Karateka wie Dirk Betzien, Veysel Bugur und Sabine Krause, aber auch Vereine mit einem über das Karate-Do hinausgehenden Selbstverständnis wie der Selbstverteidigungsverein für Frauen e. V. und Gaysha e. V.

Ein historischer Abriss der Entwicklung des Wado-Ryu in Berlin

1962 bietet die Judo-Schule Nippon von Johannes Sparmann (1920 - 1995) als erste Berliner Sportschule Karate-Unterricht an.
1965 Erste Teilnahme von Berliner Karate-Schülern (u. a. Andreas Sparmann) an einem Wado-Ryu-Lehrgang des Deutsch-Japanischen Karate-Verbandes (DJKV), den Yutaka Toyama (5. Dan) in Geesthacht abhielt. Anschließend wird bei Nippon Wado-Ryu trainiert. 1967 legen Andreas Sparmann und Jürgen Hermann bei Fujii (alljapanischer Meister 1966) und Sakagami erfolgreich ihre Prüfung zum 1. Dan ab.
1969 und 1970 besucht Hironori Ohtsuka das Berliner Nippon Dojo.
1969/70 Aufbau der Sektion Karate im Judo-Verband Berlin.
1977 Gründung der Berliner Karate-Union.
1978 Gründung des Berliner Karate Verbandes. Bis zur Wende dominierte das Wado-Ryu die Berliner Verbandsstrukturen JVB, BKU und BKV.

Bis heute erringen Berliner Karateka Deutsche und Internationale Meistertitel.
Seit 2005 finden in Berlin regelmäßig hoch qualifizierte Wado-Lehrgänge statt. Besonders hervorzuheben sind der Wado-Pfingstlehrgang mit Shuzo Imai (8. Dan), Takamasa Arakawa (6. Dan JKF Wadokai) u. a. sowie der Wado-Lehrgang im Februar jeden Jahres mit Toby Threadgill (USA), Menkyo Kaiden, Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu Jujutsu und Bob Nash (USA), 7. Dan JKF Wadokai sowie ab 2014 mit Toby Threadgill und Robbie Smith (Neuseeland), 7. Dan JKF Wadokai.

Das Prüfungsprogramm Wado Ryy

Fußnoten

1 “The name Wado-Ryu comes from the idea of TEN to CHI to JIN no RI-DO ni WA suru. The kanji TEN means the sky, heaven and air. CHI stands for the earth, the soil and the ground. JIN represents men, mankind and human beings. RI-DO means reason and truth. WA stands for the sum of a whole, peace and harmony. These definitions are the kanji’s literal meanings, but imply many other concepts and symbols … Creating harmony – WA is the most difficult condition to attain in the martial arts. In order to do this you have to sharpen your intellect not only through physical training but mental training as well. The martial art is not a sport. Whereas sports are concerned with the concept of winning, martial arts are concerned with the idea of growing. The philosophy of Wado-Ryu can help a person grow in any area of life“,Otsuka, Kazutaka: Wado Ryu. (Way of Peace) In: http://suharikarate.com/usa-wado-ryu/wado-ryu-way-of-peace (Stand: 04.10.2013)

2 Christina Gutz: „Ten Chi Jin ist der Schlüssel, um Nairiki zu entwickeln, der Schlüssel um die wahre Tiefe des japanischen Budo zu erschließen“, Takamura Yukiyoshi – Takamura-ha Shindo Yoshin Ryu. Wado Lehrgang mit Toby Threadgill (USA) und Bob Nash (USA) vom 23. – 25.02.2013 in Berlin. In: http://www.wado-karate.de/index.php?id=120 (Stand: 03.10.2013)

3 “The way of martial arts is not an ordinary thing. It is to master peace and to desire harmony.” Otsuka, Hironori: Wado Ryu Karate, Ontario 1997, S. 3.

4 Vgl.: http://www.wado-karate.de/index.php?id=112 (Stand: 03.10.2013)

Literatur

Gutz, Christina: „Ten Chi Jin ist der Schlüssel, um Nairiki zu entwickeln, der Schlüssel um die wahre Tiefe des japanischen Budo zu erschließen“, Takamura Yukiyoshi – Takamura-ha Shindo Yoshin Ryu. Wado Lehrgang mit Toby Threadgill (USA) und Bob Nash (USA) vom 23. – 25.02.2013 in Berlin. In: http://www.wado-karate.de/index.php?id=120 (Stand: 03.10.2013)
http://wp.sc-banzai.de/ (Stand: 03.10.2013)
http://www.sannoya.com/principles.htm (Stand: 03.10.2013)
http://www.sportstudio-nippon.com/nippon-chronik (Stand: 03.10.2013)
http://www.wado-karate.de/index.php?id=112 (Stand: 03.10.2013)
Kono, Teruo: Karate. Der Weg zum Schwarzgurt. Norderstedt 1982
Otsuka, Hironori: Wado Ryu Karate, Hamilton, Ontario 1997
Otsuka, Kazutaka: Wado Ryu. (Way of Peace) In: http://suharikarate.com/usa-wado-ryu/wado-ryu-way-of-peace (Stand: 04.10.2013)