Die Verbindung zwischen Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu

Gutz_Titel.jpgEin Wado und TSYR Lehrgang mit Koichi Shimura (Japan) und Toby Threadgill (USA) am 15. und 16. Februar 2020 in Berlin. 

Zwei Senseis mit Weltklasseniveau leiteten unseren Wado und TSYR Lehrgang am 15., 16. Februar 2020 in Berlin: Toby Threadgill, Kaisho und Menkyo Kaiden Takamura Ha Shindo Yoshin Ryu, und Koichi Shimura, 7. Dan JKF Wado-Kai und JKF Wado-Kai 1st Instructor, Generalsekretär JKF Wado-Kai Headquarter in Tokio. Die internationale Bedeutung dieses tradierten Lehrgangs verdeutlichen auch die insgesamt 130 Wado Karateka und TSYR- Praktizierende aus Deutschland, England, Finnland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Spanien, der Türkei und Ungarn.

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Die historisch gewachsene Verbindung zwischen Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu

Shindo Yoshin Ryu ist eine Koryu-Schule, die 1864 von Matsuoka Katsunosuke gegründet wurde. Eine autorisierte Nebenlinie, die Ohbata/Takamura Linie, wird heute als Takamura Ha Shindo Yoshin Ryu (TSYR) von Toby Threadgill als Kaicho und Menkyo Kaiden geleitet.[1]

Karate gehört zum Gendai Budo, zu den Kampfkünsten, die nach 1868 in Japan entwickelt wurden. Hironori Otsuka (1892 – 1982) trainierte zwischen 1907 bis 1921 in zwei Perioden im Dojo von Tatsusaburo Nakayama (1870 – 1945) Shindo Yoshin Ryu.[2] 1934 gründete er Wado Ryu, das damit dem Gendai Budo zuzurechnen ist.[3] Ziel dieses Lehrgangs war es, eine Antwort auf die Frage zu geben: Was hat Otsuka aus welchen Gründen vom  Shindo Yoshin Ryu (SYR) in das Wado Ryu transferiert?

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Was Otsuka vom SYR in das Wado Ryu transferierte

Toby Threadgill betonte gleich zu Beginn des Lehrgangs, dass Otsuka sein Wado Ryu vom Schwertkampf abgeleitet hat. Das zum Wado gehörende Konzept von Sente/Initiative und die dem Wado innewohnenden Prinzipien Ten-I, Ten-Tai, Ten-Gi (im SYR wird hier von San-Mi-Ittai gesprochen) sowie Taisabaki mit den drei Prinzipien Nagasu (fließen lassen), Inasu (ausweichen) und Noru (mitgehen) müssen immer in diesem Zusammenhang gesehen werden. Wado Ryu ist historisch betrachtet also eine Kampfkunst der Samurai.

In ihrem sehr gut aufeinander abgestimmten Training bildeten die oben genannten Prinzipien den roten Faden des Trainings von Koichi Shimura und Toby Threadgill. Beide Senseis vermittelten in zahlreichen und unterschiedlichen Übungen, dass sich um diese Prinzipien letztlich jede Kata/Partnerübung im SYR und Wado Ryu rankt: Tantodori und Idori im Wado Ryu und SYR, Kihon Kumite und Kata Kaisetsu im Wado Ryu sowie Jujutsu-Kata im SYR.

 

Win-Win-Situation

Der Unterricht von Koichi Shimura und Toby Threadgill zeigt, dass ein konstruktiver Austausch und das miteinander Trainieren allen Teilnehmern neue Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglicht und Spaß und Freude bereitet. Gehen wir in der Geschichte zurück, hat Otsuka dafür den Weg geebnet:

1922 traf er Gichin Funakoshi, später Kenwa Mabuni und Motubu Choki auf dem japanischen Festland und studierte das Okinawa Karate bei ihnen.[4] Dabei erkannte Otsuka, dass historisch überlieferte Prinzipien des Shindo Yoshin Ryu auf das Okinawa Karate anwendbar waren und transferierte sie in das Wado Ryu. Toby Threadgill veranschaulichte dies bildhaft: Otsuka nahm das Okinawa Karate, entfernte dessen Kernprinzipien und setzte die Kernprinzipien des SYR ein: “Koryu lebt ein bisschen im Wado. Shindo Yoshin Ryu und Wado sind wie Cousins.“[5] Otsuka gelang es mit diesem Konzept, Wado Ryu einer breiten interessierten Öffentlichkeit zugänglich und populär zu machen. Somit trug er dazu bei, dass einerseits wichtige Kernprinzipien des SYR im Wado bis in unsere Gegenwart weiterleben. Andererseits belegt dieser Wado und TSYR Lehrgang seit Jahren, dass Wado und TSYR sich durch den direkten Austausch als „Cousins“ gegenseitig befruchten und Synergieeffekte nutzen können.

Toby Threadgill als Kaicho und Menkyo Kaiden des TSYR und Koichi Shimura als einer der höchsten Repräsentanten des JKF Wado-Kai garantieren mit dem jährlich stattfindenden Wado und TSYR Lehrgang ein ausgezeichnetes inhaltliches Niveau dieser Kooperation auf hoher offizieller Ebene. Der Austausch und das freundschaftliche und offene Miteinander aller Teilnehmer fördert die Verbindung zwischen Wado und TSYR: Auch dieses Jahr war der Lehrgang geprägt von einer sehr guten freundschaftlichen Atmosphäre, einer hohen Motivation und Lernbereitschaft.

 

Wiedersehen 2021 in Berlin

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim Wado und TSYR Lehrgang mit Toby Threadgill und Koichi Shimura am 20. und 21. Februar 2021 in Berlin.

 

 

 



[1] Tobin Threadgill and Shingo Ohgami: Shindo Yoshin Ryu. History and Technique, Evergreen, Colorado 2019

[2] Tobin Threadgill and Shingo Ohgami: s.o., S. 101 f.

[3] Hironori Otsuka gründete 1934 die Vorläuferorganisation des Wado-Kai Verbandes, den „Dai Nippon Karate Shinko  Club“. Dies wird als ursprüngliche Gründung des Wado Ryu gesehen. In den 1950er Jahren konstituierte Hironori Otsuka die „Zen Nippon Karatedo Renmei“. Am 5. Juni 1967 wurde der Name Zen Nippon Karatedo Renmei zu Wado-Kai geändert. Mitder Gründung der Federation of All Japan Karetedo Organization (FAJKO, später umbenannt zu JKF) Mitte der 1960er Jahre wurde die Bezeichnung Wado-Kai offiziell gebräuchlich.

Vgl.: http://canadajkfwadokai.org/und https://www.jkfwadokaisohonbu.de/

[4] Gichin Funakoshi (1868 – 1957) unterrichtete seit 1922, Kenwa Mabuni (1899 – 1952) seit 1928 und Motobu Choki (1871 – 1944) seit 1929 Okinawa Karate auf dem japanischen Festland.

[5] “Koryu lives a little bit in Wado. Shindo Yoshin Ryu and Wado are like cousins.” (Toby Threadgill) In: Christina Gutz: Wado-Pfingstlehrgang 2012 in Berlin. https://www.wado-karate.de/nachrichten-berichte/ und http://www.berliner-karate-verband.de/