Karate Club Wedding e.V.

Abkürzung:
KCW
Stilrichtung: Wado-Ryu
Ansprechpartner: Oliver Fromm
Adresse

Kameruner Str. 38

13351 Berlin

Telefon
030 4525146
Internet

KCW

Bericht

18.06.2007

'Verlorener Weg; der sichere Führer'
 
Unsere Kontakte hatten sich bislang dahingehend entwickelt, dass Oliver Fromm anlässlich meines Besuchs den bösen Verdacht äußerte, ob ich seine Mails eventuell mit einem Spamfilter belegt hätte, weil er häufiger schimpfen würde und mich seine elektronische Post nie erreicht. Diese Frage war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich mehr aktuell, weil ich inzwischen ganz positiv eingestellt war.

Am Sonntagmorgen der Deutschen Meisterschaften hatten wir uns beim Frühstück in der Jugendherberge getroffen. Nach einer viel zu kurzen Nacht, verbracht mit Trennungsversuchen der männlichen und weiblichen Jungathleten und Weckerklingeln um 06:45 Uhr war meine Laune auf den absoluten Tiefpunkt. Noch vor meinem ersten Schluck Kaffee schien ihm eine aufheiternde Geschichte aus dem Karateleben angemessen zu sein. Die Geschichte war besser als der Kaffee, umwerfend komisch und die Stimmung war für den Tag gerettet. Der Mann hat Mut und Humor bewiesen. Als er dann nicht nur meinen Rucksack, sondern auch mich mit in die Sporthalle mitnahm, war ich außerdem von seiner Hilfsbereitschaft überzeugt.

Immer noch benommen von der DM ging es am Montag also zur Seestr./Ecke Müllerstr. In einem Fitnesscenter ist der Verein KARATE-CLUB-WEDDING angesiedelt. Das Dojo, welches man sich mit einem Judoverein teilt, ist mit weichen Matten ausgelegt. Das Kindertraining begann mit einem Fangspiel, (das weniger als Aufwärmübung gedacht war, sondern vielmehr im Austoben) und war von einem enormem Geräuschpegel, hervorgerufen von Lachen und Schreien, begleitet. Merklich stiller wurde es bei den Liegestütz und dem Bauchmuskeltraining. Für die Laufschule war das Ausstellen in Viererreihen angesagt. Keine einfache Übung, wie sich zeigte. Olli ging während des Trainings ruhig durch die Reihen und korrigierte jeden Schüler mit trockenen oder aufmunternden Kommentaren. Auch ein gegenseitiger Erziehungsprozess bei den Kindern wurde sehr deutlich. Spiegel hin, Spiegel her, dabei vergaß man sich natürlich selbst zu beobachten, aber Selbstkritik ist ja sowieso nicht jedermanns Sache.

 Bot Oliver seine Hilfe bei bestimmten Übungen an, rief jeder hier, man lässt sich gerne mal vom Trainer persönlich betüddeln. Die ränkevolle Gruppe ist nicht leicht zu bändigen, doch gelingt es Olli immer wieder, die Kinder zum eigentlichen Training zurückzuführen. Am Ende des Trainings gab er die Anweisung, den jeweiligen Partner zu Boden zu bringen. Er hätte auch sagen können: "Auf ihn mit Gebrüll", der Effekt hätte nicht anders sein können. Wer nicht zu Boden gehen wollte, musste sich schnellstens an den Rand der Matte retten.

Schon etwas aufgemuntert schaute ich mir dann das Erwachsentraining an. Zu Beginn sollten sich die etwas älteren Semester gegenseitig an den Füßen berühren. Offenbar eine vergnügliche Angelegenheit, die außerdem Beweglichkeit übt, was man besonders gut an Manuela Delia sehen konnte. Sie schien nach dem gestrigen, mit Sicherheit sehr anstrengenden Kampfrichtereinsatz bei der DM noch äußerst fit zu sein.

In Dreiergruppen probierte man dann den dynamischen Angriff, das Ausweichen und Konter. Mit den Erwachsenen hat Olli weniger Erbarmen, wenn ihm seine Schüler zu lahm wurden, fand er immer ein deutliches Wort, um sie anzutreiben. Andererseits erklärte er auch sehr viel und sorgte für Verbesserungen der Haltung und Schnelligkeit. Beim Freikampf mit verschiedenen Partnern entstand eine sehr gute Mischung zwischen Lernen und Lachen. Bei Manuela konnte man wieder gut beobachten, wie wenig Karate mit Aggression zu tun hat. Geht sie zum Angriff über ist sie völlig ernst und konzentriert, im nächsten Augenblick ist sie ausgelassen und entspannt.

Nach dem Training gab es von einem Karateka eine Runde Getränke auf den neu erworbenen Gurt und im Gespräch zeigte sich, dass in diesem Verein ganze Familienverbände trainieren, die teilweise durchaus weite Wege in Kauf nehmen, um bei Oliver Fromm Karate zu betreiben. Da die Sportschule, in der der Verein seine Heimat hat, inzwischen zwei weitere Standorte in Charlottenburg und Friedrichshain gegründet hat, wurde der Verein auch auf diese Bezirke erweitert. Außer im Wedding trainiert Manuela in Charlottenburg eine Kinder- und Jugendgruppe und in Friedrichhain gibt Frank sein Training. Im Wedding leitet ebenfalls Mark Nixon eine Kindergruppe. Die Vereinsaktivitäten wie Weihnachtstuniere und Sommerfahrten, die zunächst als Kinderfahrt geplant waren, jetzt Gemeinschaftsreisen geworden sind, werden mit allen Trainingstandorten zusammen unternommen. Im Grunde sind alle Trainingsorte für alle Vereinsmitglieder offen.

Beim KCW ist die ganze Bandbreite zwischen Freizeitsport und Wettkampfsport vertreten. Der Verein spielt bei Tunieren immer eine wesentliche Rolle und richtet gelegentlich auch die Tuniere aus.
  
Das Karateleben von Oliver Fromm begann mit dem Berufwunsch Polizist zu werden. Eine gute Vorraussetzung schien da zunächst die Ausübung einer Kampfsportart zu sein. Mit der Polizei klappte es dann nicht, da Olli aber auf einen Karatetrainer traf, der ihm sofort gefiel, blieb er seit 1983 bei dieser Sportart und trainierte seitdem bei Alexander Wohsmann.

Im Juli 1996 kam es schließlich zur Gründung vom Wado-Ryu Verein KCW. Der Verein ist eng mit der Sportschule verbunden. Zunächst wird man Mitglied in der Sportschule, bei Interesse an Gürtelprüfungen tritt man dem Verein bei. Manuela Delia gehörte seit der Gründung dem Vereins an, Frank Kalbrenner trainierte bereits zuvor bei Oliver Fromm.
 
Oliver und Manuela bevorzugen das Kumite, obwohl beide durch die Kata-Bunkai eine gute Heranführung zur Entwicklung zur Selbstverteidigung sehen. Allerdings wirken die Wado-Katas durch ihre fließenden Bewegungen (ihren kämpferischen Stil) und die dadurch bedingten höheren Stände bei Meisterschaften nicht so spektakulär und werden so anders bewertet. Das Wado-Ryu hat seine Ursprünge im Schwertkampf, die Stände sind höher als in den anderen Stilrichtungen.

Oliviers Berufleben verlief abwechslungsreicher als sein Karateweg. Erst absolvierte er bei der LVA eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter, jobbte anschließend eine Weile herum und entschloss sich dann, den Beruf des Sportlehrers auszuüben. Das Studium hat er jetzt beendet und befindet sich im nun im Referendariat.

Manuela eiferte zunächst ihrem Vater nach, der sich der Kampfkunst des Kung Fu widmete. Einige Jahre trainierte Manuela Karate und Kung Fu gleichzeitig. Nach mehreren Karatelehrern gelangte Manuela eines Tages bei Oliver, dessen Art des Lehrens ihr zusagte. Manuela, die ihrer Magisterarbeit über Dantes Todsünden im Inferno angefertigt hatte, hat vor kurzem erfolgreich ihr Studium im Magister Artium (Italienisch, Philosophie und Erziehungswissenschaften) absolviert.
   
    Der Vereinsbesuch endete um 23 Uhr und ich zog frisch und angeregt grübelnd, in welchem Bücherschrank ich die „Göttliche Komödie“ zu suchen hätte, von dannen.Kann ein Tag mehr bieten?
Brigitte Benjes