Breitensport im BKV

k1.JPG1. Definition:

Unter Breitensport (auch Freizeitsport) werden motorische Aktivitäten zur körperlichen Ertüchtigung verstanden, insbesondere zum Ausgleich von Bewegungsmangel in modernen Gesellschaften. Also: „Sport für möglichst viele Menschen“.

Unter Breitensport werden auch folgende Begriffe aufgezählt: Geselligkeit, Kommunikation, Erlebnis, Spaß, Spannung und Risiko. In der sportwissenschaftlichen Literatur finden sich folgende Aussagen zum Breitensport:
- „Breitensport bedeutet auch Leistung, ohne Leistungssport zu sein“
- „Zum Breitensport gehören auch Wettkämpfe auf unterem und mittlerem Niveau“
- "Trainingshäufigkeit:1bis 5 Einheiten pro Woche“

Alle diese Aussagen zeigen deutlich, dass Breitensport optimal mittels differenzierter und zielgruppengerechter Angebote zu betreiben ist. Dazu gehören auch entsprechend ausgebildete Trainer. Folgende Zielgruppen werden im Sport definiert:
- Kinder (bis 12 Jahre) und Jugendliche (bis 17 Jahre)
- Schulsport (Sound- Karate )
- Erwachsene ab 18 Jahre
- Frauen und Mädchen
- Ältere Sportler (Spät- und Wiedereinsteiger)
- Sport für Menschen mit Behinderungen

Zur Abgrenzung zum Leistungssport - auch Hochleistungssport oder Spitzensport genannt: Er wird definiert als Erzielung optimaler Ergebnisse im internationalen Vergleich bei einer Trainingshäufigkeit von 5 bis 14 Einheiten pro Woche.)


2. Gruppen

2.1 Kinder (bis 12 Jahre) und Jugendliche (bis 17 Jahre)

sho7.JPGKinder und Jugendliche benötigen für eine harmonische und psychophysische Gesamtentwicklung ein ausreichendes Maß an Bewegung. Dieses Bedürfnis wird im Allgemeinen von den Kindern/Jugendlichen durch ihren ausgeprägten Bewegungsdrang von selbst gesteuert.

Da Bewegung – sie wird durch Erziehung und Schule (Sitzzwang) zum Teil erheblich eingeschränkt – eine Entwicklungsnotwendigkeit darstellt, ist körperliches Training vor allem im Kindes-  und Jugendalter vorbehaltlos zu fördern. Aus Untersuchungen im Kinder- und Jugendbereich ist bekannt, dass die geistige Entwicklung stark von der motorischen Entwicklung unterstützt wird.

Mit dem Beginn von Leistungen im Sport in diesen Altersbereichen müssen jedoch einige Vorbedingungen erfüllt werden:

- Am Beginn eines leistungsorientierten Trainings muss eine orthopädische und internistische Allgemeinuntersuchung stehen, um Gefährdungen auszuschließen. Diese Untersuchung muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
- Jedes Training muss freiwillig erfolgen.
- Das Training muss altersgemäß und den psychophysischen Gegebenheiten der Kinder/ Jugendlichen entsprechend aufgebaut sein.

- Das Training darf nicht zu Lasten der schulischen bzw. beruflichen Ausbildung gehen.
- Das Training muss den Kindern/Jugendlichen noch genügend Freiräume für andere außersportliche Interessen offen lassen.

Grundsätzlich soll die sportliche Arbeit mit Kindern/Jugendlichen folgende Entwicklungen fördern:

- Eigenverantwortlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsfähigkeit
- Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl
- Persönlichkeitsentwicklung voranbringen

Diese Ziele können z.B. durch folgende Aktivitäten erreicht werde: Trainingslager, Reisen, sportliche Veranstaltungen oder Freizeitaktivitäten, die nicht unbedingt immer karate-spezifisch sein müssen.

2.2 Schulsport (Sound-Karate)

Es gilt hier für den Vereinssport ein völlig neues Feld zu erschließen und sich auf eine Ebene zu begeben, die von hoher Professionalität geprägt ist und über Jahrhunderte in der Hand der staatlichen Verfügung stand.

In der jetzigen Öffnung des Schulsportes für die mittlerweile sehr erfahrenen Vereinsstrukturen aller Sportarten liegt für beide Seiten eine große Chance. Einerseits können die Schulen dadurch, dass sie außerschulisches Know-how nutzen, den Sportunterricht für ihre Schüler abwechslungsreicher gestalten und somit zusätzliches Potential an Sportmotivation der Schüler aktivieren. Dies ist in einer Zeit der Ernährungsprobleme, der Bewegungsarmut und der immer geringeren körperlichen Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen ein Gebot der Stunde.

Andererseits können die Vereine in der Schule von der Professionalität der Lehrer lernen und Kinder und Jugendliche bereits sehr früh für den Sport, auch im Verein, begeistern.

Die Sportart Karate hat noch eine zusätzliche Hürde zu überspringen. Karate muss sich gegen ein schlechtes Image durchsetzen, welches im Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK Berlin, 28./29.6.2001) zum Ausdruck kommt: „Sportarten mit gefährlichen Schlagtechniken“, also auch Karate, werden an Schulen nicht zugelassen. Mit der Konzeption des DKV zum Schulsport - Sound-Karate genannt - gibt es inzwischen aber einen Weg, der Karate für den Schulsport, auch unter der Maßgabe des o.a. KMK-Beschlusses, nutzbar zu machen.

Bei dem vielfach belegten und genutzten hohen erzieherischen Potential und dem breiten Spektrum der körperlichen Entwicklungsmöglichkeiten wäre Karate auch für den Schulsport ein Gewinn. Besonders in Bezug auf die motorische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen vermag diese Konzeption neue und stark motivierende Impulse zu geben. Deswegen kann Karate in der Form von „Sound-Karate“, das jeglichen Kontakt zum Gegner ausschließt, sehr gut an Schulen eingesetzt werden.

Ein vorliegendes Konzept des DKV „Schulprojekt Sound - Karate" stellt in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Neuerung in Bezug auf Kampfsport - Konzeptionen dar:

•  Die vorliegende Konzeption ist ausdrücklich auf den schulischen Sportunterricht in der Bundesrepublik Deutschland und auf die gültigen Lehrpläne der Bundesländer abgestimmt. Sie berücksichtigt bundesweit geltende rechtliche Vorgaben für den Schulsport in Deutschland.
•  Sie stellt ein durchgängiges Konzept für alle Klassenstufen dar: von Klasse 1 der   Grundschule bis Klasse 13 des Gymnasiums.
•  Sie ist ausdrücklich nicht auf die Ausbildung von „Spezialisten" ausgerichtet. Mit ihrer Hilfe soll vielmehr eine breite Grundlagenausbildung möglich gemach werden: „Die Spezialisierung ist nur ein Mittel, nicht das Ziel".
•  Der gezielte Einsatz von verschiedenen Medien im Unterricht hilft das Training abwechslungsreich und motivierend zu gestalten. Das Lehren und Lernen ist auf den Einsatz verschiedener Medien ausgerichtet: Viele der in Sporthallen vorhandenen Geräte kommen als Unterrichtsmedien zum Einsatz. Als spektakulärste Neuerung wird das Medium Musik eingesetzt: Viele Karatetechniken werden mit Hilfe von aktueller Pop-Musik, die bestimmte Kriterien erfüllen muss geübt und automatisiert. Es kann in entsprechenden Vergleichswettkämpfen, soweit möglich und erwünscht, demonstriert werden.
•  Der für die Gesamtkonzeption gewählte Name „Sound-Karate" beschreibt, streng genommen, nur einen Teilbereich des Ganzen. Letztlich aber ist es so, dass gerade dieser Teilbereich das Erscheinungsbild der gesamten Konzeption nach innen und außen entscheidend prägt. Somit ist der Begriff „Sound-Karate" ein Synonym für die Gesamtkonzeption.

2.3  Erwachsende ab 18 Jahre

Diese Gruppe ist neben der Gruppe der Kinder/Jugendlichen die größte Gruppe im Breitensport. Der Ausgleich von Bewegungsmangel in modernen Gesellschaften verbunden mit dem Bedürfnis nach Kommunikation, Spaß, Spannung und Geselligkeit sind die wichtigsten Motivationsaspekte für das Sporttreiben erwachsener Menschen.
Gerade die Elemente einer Kampfkunst (z.B. körperliche Anforderung, überschaubares Risiko, Spannung, Selbstverteidigung, Selbstbehauptung) und deren Aneignung zählen zu den besonderen Aspekten für viele Erwachsende.

Die Gruppe der Erwachsenden im Sport stellen auch die Vereins-Leistungsträger in Hinsicht auf Organisation, Trainingsdurchführung oder anderen Vereinsaktivitäten zur Verfügung. Darüber hinaus sind sie auch die Leistungsträger für übergeordnete Aufgaben im Verband z.B. für Ausbildung, Wettkampfwesen oder sportpolitische Vertretungen. Insbesondere die „Gürtelsysteme“ in den Kampfkünsten stellen eine interessante  und sichtbare Entwicklungsmöglichkeit  der Sporttreibenden dar. Alle allgemeinen Aussagen zur Definition des Breitensports gelten hier ohne Einschränkung.

2.4  Mädchen und Frauen

Karate ist für Männer und Frauen gleich gut geeignet und anerkannt. Abgesehen von den allgemeinen positiven Aspekten (Rückenschule, Beweglichkeit, Spannung und Entspannung, koordinative Fähigkeiten, usw.) bietet Karate Mädchen und Frauen die Möglichkeit zu kämpfen und die eigene Kraft zu entwickeln und zu spüren. Das führt zu aufrechter Körperhaltung, einem höheren Selbstbewusstsein, einer lauteren Stimme und höherer Wachsamkeit. Sie nehmen sich mehr Raum und zeigen Präsenz. I

n diesem Zusammenhang ist es wichtig, geschlechtshomogene Angebote zu machen. Mädchen und Frauen können sich auspowern und kämpfen, ohne Angst sich zu blamieren und ohne Bewertung durch das andere Geschlecht. Wie in gemischten Gruppen kann Fairness, Rücksicht, Anpassungsfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Verteidigungsbereitschaft, z.B. gegen höhere Körperkräfte, geübt werden. Viele Frauen sehen einen Vorteil darin, dass im Gi körperliche Aspekte nicht so betont werden wie im Aerobic-Dress.

Karate bedeutet auch Verantwortung für sich selbst übernehmen. Das ist für Frauen oft eine neue Erfahrung. Sie kümmern sich eher um und übernehmen eher Verantwortung für andere. Viele Frauen kommen zum Karate, weil sie sich selbst verteidigen wollen. Spezielle Kurse im Bereich Selbstbehauptung/Selbstverteidigung sollten für Frauen ansetzen bei der Unterschätzung der eigenen Kraft, Bewusstwerden der eigenen Stärke, Eintreten für die eigenen Interessen, Ausleben von Aggressionen und Stärkung der Verteidigungsbereitschaft.

Die zunehmende sportliche Aktivität von Frauen wird auf das stärker ausgeprägte Gesundheitsbewusstsein zurück geführt. Aber auch Generationeneffekte und gesellschaftliche Veränderungen wie Schlankheits- und Jugendlichkeitsideale spielen eine Rolle, aber auch bessere infrastrukturelle Möglichkeiten für ein lebenslanges Sporttreiben. Neben dem Wunsch, ältere Menschen allgemein zum Karate zu bringen, ist es auch wichtig, auf die älteren Frauen zuzugehen, die oft große Hemmungen vor den Kampfkünsten haben. Grundsätzlich wird im Frauensport keine Trennung, sondern eine Integration mit allen Gruppen des Breitensports angestrebt.

Arno_3_dan.JPG.jpg2.5  Sport für Ältere - Jukuren = Erfahrende

Im Idealfall ist der Sport ein lebensbegleitender Prozess, insbesondere mit Hinblick auf die Gesundheit. In der noch recht „jungen“ Kampfsportkunst Karate (seit ca. 1955 in Deutschland bekannt) werden Aktive über 35 Jahre als „Ältere“ eingestuft. Bei dieser Personengruppe handelt es sich entweder um „Wiedereinsteiger“, also ehemalige Sportler, die aus vielen Gründen ( z.B. Beruf oder Familie ) mehrere Jahre pausiert haben, oder um „Neuanfänger“, die im Alter den Sport für sich entdeckt haben.

Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass sie beim Beginn im Alter nicht wie Jugendliche gefordert werden können. Aus entsprechenden Umfragen in Landesverbänden des DKV haben sich folgende Aspekte ergeben, die für diese Gruppen von Bedeutung sind:
- Gesundheitscheck
- Langsames heranführen an die konditionellen Fähigkeiten: Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit
- Einstiegstraining der Älteren ( nicht zusammen mit Kindern oder Jugendlichen )
- Festigkeit und Vertiefung von sportlichen Fähigkeiten statt ständiger Abwechslung
- Anwendungsbeispiele und Partnerübungen vor Technikoptimierung
- Gemeinschaft, Geselligkeit, aktive Bereitschaft zur Übernahme von Aufgaben
Grundsätzlich ist festzustellen, dass dieser Personenkreis nach einer (vielleicht separaten) Anfangsphase in das normale Training integriert werden sollte. Sollten Teilnehmer dieser Gruppe besonderes Interesse am Wettkampfsport haben  (Masterklasse), so sind im Rahmen eines entsprechenden Trainings differenzierte Lehr- und Trainingsmethoden anzuwenden.

Grundsätzlich bieten die asiatischen Kampfkünste, so auch Karate-Do, auf Grund differenzierter, altersgemäßer Leistungsanforderungen, eine lebenslange Möglichkeit der Körperertüchtigung.

2.6  Sport für Menschen mit Behinderungen

Erste Priorität der Arbeit mit „Menschen mit Behinderung“ ist die Integration. „Menschen mit Behinderung“ wollen mit „Nichtbehinderten“ zusammen kommen und trainieren. Solange ein „behinderter“ Sportler also in einer „normalen“ Trainingsgruppe mitmachen kann, ist diese Form der sportlichen Begegnung zu bevorzugen. Auch der Nichtbehinderte kann in diesem Fall den normalen Umgang mit dem Handikap eines Mitmenschen und damit ein Stück Rücksichtnahme erlernen.

Ansonsten profitieren „Menschen mit Behinderung“ durch Sport (Karate) von den gleichen positiven Wirkungen, von denen auch Menschen ohne Behinderung einen Vorteil haben: die allgemeine körperliche Fitness, Anregung des Herz-Kreislauf-Systems, Gelenkigkeit, Koordination und  Konzentration.

Darüber hinaus ist es besonders wichtig, dass Menschen mit einem Handikap gerade beim Karatesport den Wechsel von Spannung und Entspannung erleben, zielgerichtetes Handeln ausführen, die Genauigkeit einer Bewegung versuchen zu imitieren, ihren Gleichgewichtssinn herausfordern, ihre Möglichkeiten der Motorik und der Feinmotorik ausloten.

„Menschen mit Behinderungen“ haben auch Freude an der Bewegung und können trotz  reduzierter Möglichkeit ihr körperliches Ausdruckspotential erweitern. Im allgemeinem sind die Lernprozesse langwieriger und manche Techniken und Abläufe müssen den Möglichkeiten des Einzelnen angepasst werden, so dass das Streben nach relativer persönlicher Perfektion im Vordergrund steht.

Positive therapeutischer Effekte bei Menschen mit geistigen Leiden sind seit längerem bekannt. Auch auf das positive Wirken von Karate bei Depressionen ist hinzuweisen.
Das Erlebnis, einmal einen Tritt oder Schlag abzuwehren, ist für viele eine seelische Genugtuung, weil die meisten, zumindest der von Geburt an Behinderten, seit ihrer Kindheit die Opferrolle kennen gelernt haben. Als schwächstes Glied in der sozialen Kette sind sie oft bevorzugte Angriffsobjekte.

Die direkte Selbstverteidigung wird innerhalb des DKVs wegen der erhöhten Verletzungsgefahr nicht empfohlen. Klassische Differenzierungen der Behinderung nach Amputation, Sehbeschädigung/ Blindheit, Hörbehinderung, spastischer Lähmung, geistiger Behinderung, Körperbehinderung und Rollstuhlfahrern sind für Wettkämpfe und Prüfung zwar vorgesehen, spielen aber im Karate z.Z. keine große Rolle.

3.0  Zusammenfassung

Die allgemeine Aussage der Definition von Breitensport: „Sport für möglichst viele Menschen“ zeigt, dass hier die große Gemeinschaft aller Sportler angesprochen wird. Im Rahmen dieser Gemeinschaft sollten aber auf Grund von Besonderheiten Einzelne Gruppen gebildet werden (…Kinder, Ältere, Frauen,…), da nicht alle Lehr- und Trainingsmethoden auf alle Gruppen mit gleicher Betonung angewendet werden können.

Grundsätzlich kann aber angemerkt werden, dass trotz dieser wichtigen Besonderheiten der Gruppen eine Integration im Rahmen eines gemeinsamen Trainings angestrebt werden sollte. Gerade das gemeinsame Training aller dieser Gruppen führt bei den Sporttreibenden in der Gemeinschaft zu einem umfassenden körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefinden oder kurz gesagt: Freude an körperlichen Leistungen!